Dem Leitartikel „Gerechter Zorn“ von Christiane Hoffmann im SPIEGEL Nr. 11 vom 13.03.2021 über die Coronakrise und die „Ehrenerklärung“ der CDU/CSU-Mandatsträger in der Bundestagsfraktion, sich in der Krise nicht an Maskengeschäften bereichert zu haben, kann ich nur ausdrücklich beipflichten. Bei den nun hinter uns liegenden Wahlen in BW und RLP konnten viele Briefwählerinnen und Briefwähler noch nichts von den Korruptionsskandalen einiger CDU/CSU-MdB an und während der holprigen, in Teilen gar dilettantisch gemanagten Coronakrise wissen. Dennoch hat die CDU in beiden Ländern ziemliche Verluste erlitten. Wie mag es bei den nächsten Landtagswahlen und der Bundestagswahl am Ende des Jahres für die CDU/CSU aussehen, wenn sich diese amoralischen und betrügerischen Machenschaften an den zu vertretenden Bürgerinnen und Bürgern in den Köpfen festgesetzt haben? Wie mag es aussehen, wenn sich Unverständnis, Ärger und Wut wegen der Maskenmachenschaften und dieser sogenannten Ehrenerklärung der CDU/CSU-Mandatsträger nachhaltiges Entsetzen in den Köpfen festgesetzt hat? Vielleicht bleibt auch endlich ein Entsetzen über die jahrzehntelange Weigerung und Blockade der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, einer echten Transparenz und einem entsprechend bindenden Kodex gegen Lobbyarbeit und eine Mentalität des „Händchen-aufhaltens“ zuzustimmen.
Die jetzigen Machenschaften und Bereicherungen müssen ein Ende haben.
Ich gehe mit Frau Hoffmann völlig dacor, wenn sie diese von der Fraktion erbetenen „Ehrenerklärung“ als Farce bezeichnet.
Es wirkt so, wie die Frage bei und für die Einreise in die USA: Haben Sie die Absicht, einen Terroranschlag in den USA zu verüben? Die Antwortmöglichkeiten sind JA oder Nein. Welche Antwort wird der potentielle Terrorist wohl geben?

Bewertung: 5 / 5

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Das Videospiel des Salomon Kalou

Kalou hat sich entschuldigt und reumütig von einem Fehler gesprochen. Der Mann will seine Suspendierung rückgängig machen lassen. Der Mann will Fußball spielen. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass andere Spieler die ihnen von Kalou dargereichte Hand geschüttelt haben. Trotz medienwirksam verkündeter „Maßnahmen“ für den Umgang in der Corona-Krise, speziell bei einer körperkontaktreichen Sportart wie Fußball. Und was ist mit dem Physiotherapeuten, der anstatt nur je einen Spieler in sein Reich zu bitten hat, es zusätzlich einem weiteren Spieler erlaubt zu haben scheint? Und was ist mit des Therapeuten Mund-Nase-Schutz? Anstatt – wie medienwirksam vorgeschrieben – eine FFP2-Maske und eine Schutzbrille zu tragen, trug der Mann einen einfachen Schutz. So, als wolle er nur kurz in einem Lebensmittelladen einkaufen. Aber das Schlitzohr Kalou wird suspendiert. Was ist mit jenen, die seine dargereichte Hand geschüttelt haben? Was ist mit dem Therapeuten? Offensichtlich scheint mir, dass die Geschäftsleitung des Hauptstadtclubs und die DFL ausschließlich den Übeltäter in Kalou sehen. Die Geschäftsleitung schaut aus der Gebetsmühle und behauptet, auf Abstandsregeln hinzuweisen und – vor allem - auf deren konsequente Einhaltung zu achten. Das ist an Verlogenheit kaum zu überbieten und zeigt, was in Wahrheit dahintersteckt. Geld-Geld-Geld. Wichtig ist den Herrschaften das neuerliche Anwerfen der Gelddruckmaschine Bundesliga. Da stört ein verstörendes Video, das „konsequente Einhaltung“ ad absurdum führt. Am Beispiel des Spielers Kalou wird auch deutlich, wie sehr mit den realen Wahrheiten umgegangen wird. Nicht die Missachtung Corona bedingter Vorgaben wird an den Pranger gestellt, sondern jener Mensch, der auf solche Missstände aufmerksam macht. Ein Videobeweis, der keiner sein darf. Die Angst vor dem Elfmeter ohne Torwart? Bei all dieser Verlogenheit bleibt in diesem Zusammenhang eine Spielerdiskussion über unterschiedliche Gehaltskürzungen zwischen 11% und 15% fast schon marginal. Bei einem Jahresgehalt von beispielsweise nur einer einzigen Million Euro bleiben den Spielern immer noch 890 Tausend bis 850 Tausend übrig. Andere müssen mit Kurzarbeitergeld ihre Familien über die Runden bringen. Aber eine Verarmung überdotierter, nicht systemrelevanter Fußballspieler ist hier vermutlich nicht auszuschließen. Um das vorsorglich dennoch ausschließen zu können, muss unbedingt wieder gegen nicht-systemrelevante Bälle getreten – und bedingungslos Geld verdient werden. So was aber auch.

H. Jürgen Hoffmann, Köln
Mitstreiter der „bürgerredaktion.de“

Der Leserbrief ist an folgende Redaktionen geschickt worden:
KStA, Kölnische Rundschau, DER SPIEGEL, STERN, Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, NRZ (Funke Mediengruppe), WAZ (Funke Mediengruppe), TAZ

Bewertung: 5 / 5

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Corona-Virus; hier: Solidarität der Vermieter

 

Sehr geehrte Damen und Herren der zuständigen Redaktion(en),

 

es ist gut und richtig, wenn die Bundesregierung die Kündigung von Mietverträgen während der Corona-Krise verbieten sollte. Was ich allerdings in noch keinem einzigen Medium (Zeitungen, Fernsehsendungen u. a.) gehört oder gesehen habe, sind Aufforderungen vor allem an die Vermieter großer Mietbestände, sich ebenfalls solidarisch zu zeigen und auf einen Großteil ihrer Mietforderungen zu verzichten. M. E. wäre eine solche Umverteilung von unten nach oben und auf Kosten der Steuerzahler weder gerecht noch solidarisch. Welcher gesellschaftsmoralische Zweck sollte es sein, wenn den Mietern seitens des Bundes oder des Landes Mietzuschüsse gewährt werden, die letztlich dennoch bei den Großvermietern landen? Mein Hinweis bezieht sich in erster Linie etwa auf gemeinnützige oder privatwirtschaftlich geführte Immobiliengesellschaften oder die Kirchen. Insbesondere die katholische Kirche, deren große und reiche Bistümer einen riesigen Bestand an Wohnungen und vermieteten Geschäftslokalen besitzen, könnte mit gutem Beispiel vorangehen. Sie hätte allen Grund dazu. Aus meiner Sicht sollte die Bürgergesellschaft auch hier eine tatenreiche, nicht nur eine rein verbale Solidarität erwarten dürfen. Es erscheint mir nicht zwingend glaubwürdig, wenn z. B. ein rheinischer Kardinal seinen Sprengel zur gegenseitigen Solidarität auffordert und kein Wort darüber verlauten lässt, dass die Kirche mit gutem Beispiel voranzugehen gedenkt und die Mieten aussetzt - oder wenigstens drastisch kürzt. Und zwar solange, wie sich diese Krise hinzieht.

Seit Wochen werden wir, die Bürger dieses Landes, aufgefordert, uns solidarisch zu zeigen, Abstände einzuhalten, häufiger die Hände zu waschen u. v. m. Diese Apelle an uns sind aller Ehren wert und (nicht nur) in Anbetracht der gegenwärtigen pandemischen Situation richtig.

Begleitet werden diese - zunächst auf freiwilliger Basis erbetenen - Verhaltensweisen von vielen Firmen-Schließungen aller Größenordnungen, sie werden begleitet von Kurzarbeit, von existenzbedrohenden Auftragsrückgängen in kleineren und mittleren Betrieben, bei Selbstständigen aller Fachrichtungen, bei Kunstschaffenden, bei wichtigen gesellschaftlichen Veranstaltungen wie der lit.Cologne etwa.

Für mich ist es weder nachvollziehbar noch moralisch erklärbar, dass die vielen Menschen, die ihre Existenz bedroht sehen, keine bis deutlich weniger Einnahmen ertragen müssen, die Mietzahlungen aber weitergehen. Von Mietzuschüssen des Staates habe ich im Übrigen auch noch nichts gehört.

Ich möchte Sie hiermit bitten, mit der Kraft Ihrer Kompetenz eines seriösen Mediums, dieser für viele Menschen existenzbedrohenden Situation und der offensichtlich wenig solidarischen Haltung von Vermietern im Allgemeinen einmal nachzugehen.

 

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Bleiben Sie gesund.

Mit freundlichen Grüßen

H. Jürgen Hoffmann (70), Köln

 

Bem.:

Ich erkläre mich überdies damit einverstanden, wenn Sie meinen Text in seiner Gänze resp. als Leserbrief abzudrucken gedenken. Gerne auch mit meinem Namen: H. Jürgen Hoffmann, Autor, Köln.

 

An dieser Stelle verweise ich gerne auf die Video-Analyse der Kabarettistin Anny Hartmann (bekannt aus Funk und Fernsehen, Die Anstalt, Ladies Night u. a.):

„Corona und die Miete (von Kleinunternehmen und Großgrundbesitz)“

https://www.youtube.com/watch?v=tBdVekBrHVE

 


 

Hier auch Anny Hartmanns Antwort vom 23.03.2020 auf meine E-Mail an sie vom 21.03.2020:

 

„Hallo Jürgen, es freut mich, dass dir mein Video so gut gefallen hat - und dass du den Gedanken auch selber hattest. Bin echt erstaunt, für wie wenige Leute das überhaupt diskutabel ist.

Die Miete ist ein Fixum - da geht man nicht mal gedanklich dran. Erschütternd, dieser Respekt vor dem Reichtum. Du kannst gerne den Link zu meinem Video hinter deinem sehr guten Leserbrief her schicken. … Bleibt gesund und liebe Grüße.“

 

Bis dato verschickt an:

Bürgerredaktion.de

t-online

DER SPIEGEL

Kölner Stadt-Anzeiger (KStA)

DIE ZEIT

Süddeutsche Zeitung (SZ)

TAZ

ARD

WDR

ZDF

Oliver Welke (Kabarettist, Moderator)

Anny Hartmann (Kabarettistin)

Bewertung: 5 / 5

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Naziverbrechen: Kommentar zum Prozess gegen Bruno D. (93) vor dem OLG Hamburg
Die Kleinen werden gehangen …

von H. Jürgen Hoffmann, Autor und Schriftsteller, Köln

In meinem Kommentar geht es um einen Bericht von Thorsten Fuchs im Kölner Stadt-Anzeiger vom Samstag, 26. 10. 2019, unter der Überschrift: „Bruno D. hörte ‚Schreie und Poltern‘“
Siehe hierzu ebenfalls den Artikel von Thorsten Fuchs im Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vom 17.10.2019 unter: https://www.rnd.de/politik/ns-verbrechen-die-schuld-des-bruno-d-7RWORXL5I5EZ5JRGCIWJ3BDKB4.html
 
Vorweg: Die Vorgehensweise der Nazis von früher und heute ist aus meiner Sicht grundsätzlich zu verurteilen und zu ächten. Die Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und vieler anderer Menschen während der Hitlerdiktatur, gehört zum Abscheulichsten in der Geschichte Deutschlands, in der Geschichte der Menschheit überhaupt.
 
Vermutlich muss sich in diesen Tagen einer der letzten sogenannten Kriegsverbrecher vor der Jugendstrafkammer des Oberlandesgerichts in Hamburg für die Beihilfe zum Mord an 5230 Fällen verantworten. Der heute 93-jährige Bruno D., damals, von August 1944 bis April 1945, war als 17-jähriger im Konzentrationslager Stutthoff (heutiges Polen) als Wachmann eingeteilt. Wohlgemerkt: Als 17-jähriger!
Er war nur ein kleines Rädchen im Getriebe der NS-Mordmaschinerie, aber ohne diese Rädchen hätte die Maschine eben nicht funktioniert, argumentiert die Anklage.“ Das schreibt Herr Fuchs als wörtliche Rede des Anklägers. Und weiter schreibt er: „Vor allem aber beteuert er immer wieder, zunehmend zur Fassungslosigkeit der Richterin, er habe all die eindeutigen Zeichen nicht zu deuten gewusst.“ Und die Anklage setzt laut Herrn Fuchs noch einen drauf: D. hätte sich „straflos (…) versetzen lassen können.“
Straflos? Wie kommt die Anklage zu dieser Annahme? Was ist das für eine Fassungslosigkeit der Richterin?
Fehlt es hier nicht an analytischen Fähigkeiten? Fehlt es etwa an geschichtlichem Eintauchen in jene Zeiten, über die wir aus heutiger Sicht urteilen? Wohlgemerkt: Aus heutiger Sicht!
Vielleicht ist es der Anklage, vielleicht auch der Richterin entgangen, dass es zu Bruno D.s Zeiten keine liberale Erziehungspolitik gab. Weder in den Familien, noch in der Form abscheulichster Politik. Im Gegenteil: Es herrschte eine – für die heutige Zeit unvorstellbare – streng-autoritäre Erziehung. Und das nicht erst zur Nazizeit! Wer schon im familiären Umfeld mit Renitenz auffiel, dem wurde diese schnell – durchaus mit drastischen Mitteln - ausgetrieben. Mit welchen drastischen Mitteln auch immer. Wer so erzogen worden ist, wusste sehr schnell, was Angst ist. Und mit Angst lässt sich – gerade auch politisch - noch jede Generation vorantreiben. Sehr zum Nutzen von sogenannten Eliten und anderer Herrschaften.
Im Fall Bruno D. steht ein damals noch nicht einmal volljähriger junger Mann vor Gericht, dem jedes Aufbegehren, jedes Mucken, jede Infragestellung weitere schmerzliche Wunden zugefügt worden wären. Oder gar den Tod. Die allermeisten jener damals jungen Menschen wurden bereits in den Schulen genötigt, der Hitlerjugend beizutreten oder dem Bund Deutscher Mädel. Woher also die Fassungslosigkeit der Richterin? Woher kommt der suggestive Ansatz der Anklage, „ohne diese Rädchen hätte die Maschine eben nicht funktioniert“? Steht das Urteil schon fest, ohne dass es verkündet worden ist?
Gerade die deutsche Justiz hat Jahrzehnte benötigt, um ihre eigene braune Geschichte aufzuarbeiten. Vor allem auch ihre Geschichte in der neugeschaffenen bundesrepublikanischen Gesellschaft. Das war auch in anderen Bereichen so und oft genug sehr ähnlich. Ehemalige Nazischergen, NSDAP-Mitglieder (zu Beginn der Machtübernahme 1933 bereits 29 Jahre alt) konnten gar Bundeskanzler werden. Oder als einstiger NS-Marinerichter, der 1943 / 1945 als 30-/32-jähriger Todesurteile im Sinne der Nazis fällte, konnte gerne auch Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Und wo haben sie in der Bundesrepublik nicht überall mitgemischt, die Hauptdrahtzieher und Hitlergläubigen wie die Globkes, die Flicks und Henkels, andere der vielen Industriellen, viele der sogenannten Adligen? Sie waren die wahren Verbrecher, die der mörderischen Propaganda geholfen und unterstützend gewirkt hatten. Sie haben dem Morden nicht nur zugeschaut, sondern zum eigenen Vorteil Zwangsarbeiter rekrutiert und/oder vernichtende Urteile gefällt. Die deutsche Justiz und ein von Zynismus zerfressener Richter Freisler. Allesamt Angsterzeuger.
Und diese Justiz will nun über einen damals 17-jährigen Wachmann urteilen? Und diese Justiz ist fassungslos über die Unschuldsbeteuerungen eines damals 17-jährigen?
Ich bin fassungslos!
Die 5230 Toten im KZ Stutthoff, um die es in diesem Fall geht, sind weitere 5230 Tote zu viel. Und in jedem Fall verurteilungswürdig. Aber dass ein einst 17-jähriger Junge hier stellvertretend für die wahren Verbrecher seinen Kopf hinhalten soll, empfinde ich als ungeheuerlich. Als ungeheuerlich empfinde ich auch die – so scheint es mir - arrogante Fassungslosigkeit einer offenkundig analyseschwachen Richterin. Vorausgesetzt, die von Herrn Fuchs beschriebene Gemütsverfassung der Richterin entspricht der Wirklichkeit. Wenn es denn so gewesen sein sollte, wie Herr Fuchs schreibt, scheint mir die Verurteilung des Bruno D. nur noch eine Frage weniger Tage, vielleicht Wochen zu sein. Vorverurteilt scheint er wohl schon zu sein.
Wie wird mit deutscher Geschichte umgegangen? Wo fängt deutsches Recht an? Wo hört es auf? Gibt es einen Spielraum von moralischen Erkenntnissen? Oder bleibt es dabei: Die Kleinen werden gehangen …?
Erbärmlich! Die Herangehensweise deutscher Nachkriegsrichter/innen und –ankläger/innen in einigen besonderen Fällen der Nazizeit scheint offensichtlich immer noch allzu oft erbärmlich.
Ich fasse es nicht.
 
Mit dennoch freundlichem Gruß an alle
H. Jürgen Hoffmann
Autor und Schriftsteller, Jg. 1949

Diesen Kommentar habe ich per Mail verschickt an:

- Kölner Stadt-Anzeiger

- DER SPIEGEL

- an den Autor Thorsten Fuchs

- an den RA des Beschuldigten

- an das OLG Hamburg

Bewertung: 4 / 5

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Spiegel 52, vom 19.12.2015, gekürzt, Kürzung nicht bekannt.
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Meine Meinung zum Olympia-Bürgerentscheid der Hamburger
                             
                            

Die Entscheidung der Hamburger Olympiagegner ist richtig.

Es sind nicht nur allein Korruptionsaffären, die kriminelle Hintergründe von "Verbänden" offengelegt haben. Es ist dieser Größenwahn, der von teilweise kriminellen Köpfen solcher "Organisationen" gefordert und von den sogenannten Organisatoren solcher Events in einen Wettkampf des Gigantismus ausgeartet ist. Die Bühne der sogenannten Spitzensportler entfällt nun für Hamburg.  In München / Garmisch ist eine solch gute Entscheidung ebenfalls gefällt worden.  Jetzt stehen Parteibonzen oder Funktionäre des Sports vor den Kameras und versuchen auf subtile Weise, den Bürgern die Entscheidung gegen diesen Gigantismus als falsche Entscheidung darzulegen. Der Hamburger Innensenator z. B. sucht nicht politische Mängel in der Politik vergangener Jahre. Er sucht die Schuld am Nein bei den Bürgern, die sich anders entschieden haben als (selbstherrlich) erwartet. Die Nein-Sager seien "risikoscheu".

Die Entscheidung kann nicht falsch sein, Herr Innensenator! Der Bau der Elbphilharmonie, die ursprünglich von offensichtlichen Dilettanten, zumindest aber Ahnungslosen,  mit 70 Millionen EURO angesetzt worden war und nun bereits gut elf Mal teurer wird (ca. 789 Millionen!), wird anscheinend weiterhin von dilettantischen oder ahnungslosen oder gar korrupten Männern fortgeführt.  Woher soll das Vertrauen der Bürger in die Kostendarstellungen von Politikern, Lobbyisten von Banken und Wirtschaftsverbänden kommen? Städte, die tief in den roten Zahlen stecken, erlauben sich "Prestigeobjekte“, die unbezahlbar sind, -nein! - die vom Steuerzahler bezahlt werden (siehe hier gerne auch nach Köln und auf die Sanierung des Opernhauses, der Bau einer recht kurzen Untergrundfahrstrecke der - vermutlich teuersten und unfreundlichsten - Verkehrsbetriebe Deutschlands, inklusive des Einsturzes des Stadtarchivs). Es geht wohl nicht hauptsächlich gegen Projekte wie Elbphilharmonie, Berliner „Fluch“hafen, Kölner Opernhaus oder Stuttgart 21. Es geht wohl eher um das Vertrauen der Bürger in die Kompetenzen der selbsternannten Macher, egal, welcher Partei sie angehören mögen (abgesehen von  den wenigen Mahnern in allen Parteien).

Und, liebe politische Funktionäre resp. funktionierende Politiker, ist es unabdingbar erforderlich, sogenannten Spitzensportlern immer höhere Sprunghöhen, immer weitere Weitsprünge, immer schnellere Schnellläufe abzuverlangen? Und wenn ja - für wen? Dient solches Höher-Weiter-Schneller der Wahrheitsfindung oder letztlich nur einem aufgesetzten Ego? Soll das jenes vielzitierte „Wahre Leben“ sein? Es gibt mannigfaltige und viele solcher „wahren Leben“.  Jedem individuellen menschlichen Leben auf dieser Welt, mit all den unterschiedlichsten sozialen Geschichten,  mit all dem selbst Erlebten, ist das eigene wahre Leben immanent. Es gibt nicht: Das wahre Leben. Es gibt einen gewissen gesellschaftlichen Konsens über „das wahre Leben“, aber  es gibt ebenso individuell ausfüllbare Spielräume. Dies gilt sicherlich auch für z. B. Spitzensportler. Aber: Wie sollen diese armen Spitzensportler das alles schaffen, wenn nicht gedopt? Wie hätten z. B. die armen VW-Mitarbeiter die Vorgaben eines offensichtlich selbstherrlichen Vorstandes schaffen können, wenn sie die Motoren nicht "klammheimlich" gedopt - will heißen: manipuliert - hätten? Wohin soll uns dieser zynische Weg der zynischen Männer noch führen? Vielleicht lernen unsere Wirtschaftsmarionetten, die Politiker und Politikerinnen, dass sie von den Wählern zu einer Politik zum Wohle der Bürger gewählt worden sind. Und nicht zum Wohle einer zynischen, menschenverachtenden Spezies gieriger Banken und Wirtschaftsunternehmen und deren Lobbyisten. Übrigens sind sie auch nicht dafür gewählt, ihr eigenes Wohl in den Vordergrund zu stellen. Sie alle sollten sich ein gehöriges Beispiel an Helmut Schmidt nehmen.

Und was noch einmal Hamburg betrifft: Freut Euch doch darüber, Gelder eingespart zu haben, die sich andernfalls nur noch im Universum oder im Orkus wiedergefunden hätten. Die als Argumente der Enttäuschten angeführten Szenarien, was nun alles verpasst worden sei, sind die typischen, subtilen Schuldzuweisungen an jene, die sich nicht mehr ein X für ein U vormachen lassen wollen. Wenn nicht die Hamburger, wer sonst weiß, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Setzt die nun "eingesparten" Gelder doch gerne auch mal in Neubesetzungen von Verwaltungen ein, mit kompetenten Leuten , nicht mit jenen, die vielleicht nicht mehr Grips im Kopf haben als das vorgezeigte Parteibuch zwischen Vorder- und Rückseite vorzuweisen hat. Breitensport könnte ebenfalls ein Thema sein. Macht vermutlich aus der kurzsichtigen und kurzatmigen Sicht von Politikern, "Sponsoren", "Organisationskommitees" und Lobbyistengruppen keinen Sinn? Kleiner Tipp: Einfach mal versuchen.

Die Bevölkerung wird es den Politikern und Politikerinnen danken.

Und zum Abschluss:

Liebe Bürger allerorten, lasst Euch nicht zu „Wutbürgern“ verunglimpfen. Bürger, die nicht mit allem einverstanden sind, was ihnen verkauft und vorgesetzt wird, sind empörte Bürger, keine Wutbürger. Der vermeintliche Wutbürger hat etwas Aggressives, also in unserer Gesellschaft negativ Besetztes. An dieser Stelle will ich gerne unterstreichen, was Stéphane Hessel als 93jähriger noch im Titel seines kleinen Traktats fordert: „Empört Euch!“ Am Ende seines Büchleins fordert er ein:

„Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.“

                                                                                                                                   

Viele Grüße

H. Jürgen Hoffmann, Köln

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