Sehr geehrte Damen und Herren,
Es ist richtig, auch Meinungen von Pseudoexperten zu drucken, die trotz Ihrer Unsinnigkeit von vielen Menschen geglaubt werden. Dann ist es aber wichtig, dass ein richtiger Experte in der MZ dazu Stellung nimmt. Da gibt es eine Reihe von international renommierten Professoren an der Universität Regensburg. die teilweise ja auch schon gute Stellungsnahmen in der MZ beigetragen haben.
Viele Grüße
Hans Robert Kalbitzer

Es gibt Fachleute und Fachleute

Prof. Dr. C. Kuhbandner von der Universität Regensburg und Gutachter bei umstrittenen COVID-19-Urteilen hat in einem Interview seine Standpunkte in der MZ ausführlich dargelegt. Das ist gut so, auch Professoren dürfen quer denken und unsichere (aber möglicherweise alternative) Fakten diskutieren. Trotzdem wäre es dringend nötig, dass die MZ zum selben Thema zusätzlich wirkliche Fachleute auf dem COVID-19- Gebiet interviewt, also keine pädagogischen Psychologen, sondern Virologen oder Infektiologen. Hier hat die Universität Regensburg eine Anzahl fachlich kompetenter, international renommierter Kollegen zu bieten (um nur einen Namen zu nennen, Prof. Wagner, der die aktuelle Coronastudie in Tirschenreuth zusammen mit der Universität Nürnberg leitet).

Regensburg, den 16.4.2021 Prof. Dr. Dr. Hans Robert Kalbitzer

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Am 2. April 2020 hat der Autor des Artikels in einem Leserbrief mit dem Titel „Der Coronavirus braucht keinen Passierschein, aber wir brauchen einen SARS-CoV-2 Immunitätspass jetzt!“ an den Spiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Einführung eines digitalen europäischen Immunitätspass gefordert, der zwar von Redakteuren als Idee aufgenommen, aber nie abgedruckt wurde (siehe aber buergerredaktion.de). Das Thema wurde auch kurz in Statements des Gesundheitsministers erwähnt, aber verworfen. Jetzt hat die EU-Kommission tatsächlich am 17. März 2021 einen digitalen Impfausweis vorgestellt, der auch vom europäischen Parlament abgesegnet wurde. Er muss noch von den nationalen Parlamenten umgesetzt werden. Wie lange wird das im Land der Bedenkenträger dauern?

Die Anzahl der Personen, die derzeit nachweislich infiziert wurden, liegt in Deutschland bei ca. 3 Millionen (Johns-Hopkins-Universität). Nimmt man an, dass wie in mehreren Studien gezeigt, die Anzahl der wirklich Infizierten 4 bis 6-mal höher ist (über die genaue Zahl kann man streiten, sie ist aber für die Argumentation unwesentlich), haben wir derzeit bei der Annahme eines Faktors von 6 insgesamt ca.18 Millionen potentiell Immune (ca. 21.6 % bei 83.2 Mio. Einwohnern). Dazu kommen 15.9 % der Bevölkerung, die eine Erstimpfung erhalten haben, d. h. mehr als 30 % der Bevölkerung haben zumindest eine Teilimmunität. Diese Bürger werden ohne wirklichen Grund in ihren Freiheitsrechten und Sozialaktivitäten eingeschränkt, nicht zu reden von den wirtschaftlichen Schäden durch den weiteren Lockdown, für die wir letztendlich alle in der Zukunft zahlen müssen.

Gegen die Einführung eines Impf-und Immunitäts-Pass gab es (neben Datenschutzbedenken) im Wesentlichen zwei gleichermaßen schlechte Argumente:

1. Es wiederspräche dem Gleichheitsgrundsatz, wenn sich nur der Teil der wahrscheinlich immunen Bevölkerung ohne größere Restriktionen bewegen könnte, während die Nichtimmunen weitere Restriktionen akzeptieren müssten. Wenn man diese Argumentation ernst nimmt, dürfte niemand Autofahren, da eine Gruppe der Bevölkerung (z. B. Blinde) nicht Autofahren dürfen. Schon vom Grundgesetz her dürfen Individualrechte nur dann eingeschränkt werden, wenn ohne diese Einschränkungen für die Allgemeinheit schwerwiegende Nachteile zu erwarten wären.

2. Da man nicht sicher wüsste, ob Geimpfte oder Personen, die eine Infektion durchgemacht haben, nicht mehr neuerlich infiziert werden könnten und dann andere Personen anstecken könnten, dürfte man keinen Impf-und-Immunitätspass ausstellen. Da haben die Entscheider und Pseudoexperten die naturwissenschaftlichen Grundlagen nicht verstanden: Es gibt für fast keine Aussage eine absolute Sicherheit. SARS-Cov-2 verhält sich nicht grundsätzlich anders als all bisher bekannten Viren. Man weiß sogar (ohne große Studien) sicher, dass es bei SARS-Cov-2 wie bei allen anderen Viren Impfversager und Mehrfachinfektionen geben wird. Triviale Gründe sind hier Fehlbestimmungen des Immunstatus oder Fehler bei der Impfung. Bekannte andere Gründe sind Immundefekte, eine extreme Viruslast oder natürlich auch die Entwicklung neuer Mutanten, die die Immunität umgehen. Für die gegenwärtige Situation spielt es aber nur eine Rolle, wie gefährlich diese Effekte für die Allgemeinheit werden, weil sie das Infektionsgeschehen signifikant verstärken. Ein wichtiges Argument für einen Impf-und-Immunitätspass ist zusätzlich, dass mit den jetzigen Strategien in Deutschland auch Anfang 2022 voraussichtlich noch keine ausreichende Immunität in Deutschland erreicht wird, da in allen westlichen Ländern die Impfverweigerer (und Verschwörungstheoretiker) nach Umfragen 30 bis 50 % der Bevölkerung ausmachen und sich nicht impfen lassen wollen. Einen großen Teil dieser Gruppe wird man aber wahrscheinlich von einer Impfung überzeugen können, wenn sie Nachteile in ihrem Privatleben haben, weil für Personen mit Immunitätsausweis zumindest teilweise die Covid19-Restriktionen aufgehoben werden können.

Also:

1. der digitale europäische Immunitätspass sollte unverzüglich in Deutschland eingeführt werden.

2. Die Beantragung dieses Passes muss freiwillig sein.

3. Diese Daten sollten zentral auf einem europäischen Server gesichert werden und durch entsprechend autorisierten Personen abrufbar sein.

4. Soziale Restriktionen sollten für Personen mit (innerhalb immer existierender Fehlergrenzen) gesicherter Immunität auf das notwendige Mindestmaß beschränkt werden.

5. Ein digitaler europäischer Covid19-Immunitätspass sollte zeitnah zur Entwicklung eines schon lange überfälligen, allgemeinen digitalen Immunitäts-und-Impfpass führen. Dies wäre auch schon deshalb zwingend erforderlich, um auf die nächste Pandemie vorbereitet zu sein.

6. Aktivitäten mit leicht erhöhtem Infektionsrisiko sollen für Personen mit Immunitätsnachweis (Impfung und/oder ausreichender Titer neutralisierender Antikörper) zugelassen werden (z. B. Flugreisen). Einen tagesaktuellen negativen Covid19-Test könnte für einen kurzen Zeitraum (z. B. einem Abend) einem Immunitätsnachweis gleichgestellt werden.

Der gesunde Menschenverstand und das fundierte (medizinische) Sachwissen sollten wieder wichtiger als Pseudofachwissen und politisches Taktieren (Wahlkampf!) werden. Zu den Fachleuten gehören definitiv nicht Gesundheitsminister und Ministerpräsidenten, mit fachfremder Ausbildung (Juristen, Betriebswirte, Hotelfachfrauen, ...). Es ist nicht schwer, die wirklichen Fachleute zu erkennen: sie haben eine fundierte wissenschaftliche Publikationsliste auf einem für die Pandemie relevanten Gebiet. Hier wäre als positives Beispiel Prof. C. Drosten zu nennen, aber es gibt noch viele andere exzellente Virologen, die in Frage kämen, aber nie gefragt werden, da die Entscheidungsträger oft nicht zwischen Pseudoexperten und echten Experten unterscheiden können.

Regensburg, 11.4.2021 Prof. Dr. Dr. Hans Robert Kalbitzer

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Impfnationalismus – Was tun?

Die Impfungen in Deutschland und Europa gehen viel langsamer vor sich, als in den USA und Großbritannien und sind wahrscheinlich erst viel später abgeschlossen als geplant (Februar 2022 ?). Der Grund ist das Fehlen von Impfstoffen. Das Hauptbeispiel ist AstraZeneca, von der Zusagen von Impfstofflieferungen nicht erfüllt werden, die aber den in Europa hergestellten Impfstoff in andere Länder exportieren, die mehr bezahlen (AstraZeneca EU 1,78 €, UK 4,32 €). Hier ist dringend ein zeitlich befristetes Exportverbot aussprechen, bis die Lieferzusagen erfüllt sind. Dies hat die EU-Kommission dann doch etwas verspätet wirklich gemacht. Als nächster Schritt wären im Rahmen des Pandemienotstands die Exporte von allen europäischen Impfstoffen in die Länder zu unterbinden, die selbst Impfstoffnationalismus betreiben und ihren Impfstoff für sich behalten wie Großbritannien und die USA, bis in der EU ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. Ein auf drei Monate befristetes Exportverbot muss jetzt angedroht/beschlossen werden (es handelt sich nicht um einen Handelskrieg, sondern es geht um das Überleben unserer Bürger). Die EU, aber auch die Bundesregierung muss zeigen, dass sie in der Krise handlungsfähig ist!

Hans Robert Kalbitzer

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Die Coranaviruspandemie überrollt auch die Staaten, die ein gut entwickeltes Gesundheitssystem haben. Frühzeitige Warnungen wurden zunächst nicht ernstgenommen und nicht alle sinnvollen, technisch möglichen Gegenmaßnahmen wurden frühzeitig durchgesetzt. Man fragt sich, warum man bei uns nicht ausreichende Coronavirus-Testmöglichkeiten, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte organisieren konnte, wenn zumindest jetzt offensichtlich „unbegrenzte“ Geldmittel zur Verfügung stehen. Wieso geht so etwas in Südkorea, Taiwan und Singapur? Hierzulande werden nur Restriktionsmaßnahmen durchgesetzt, die nur eine beschränkte Wirkung auf die Entwicklung der Epidemie haben können, aber das wirtschaftlich Leben weitgehend zum Erliegen bringen. Inzwischen gehen alle seriöse Quellen (nicht der amerikanische Präsident!) davon aus, dass die Pandemie mit diesen Maßnahmen erst Anfang 2021 unter Kontrolle ist, wenn nämlich eine Schutzimpfung zur Verfügung steht. Was kann und muss man deshalb tun (diesmal vielleicht rechtzeitig), um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen dieser langdauernden Restriktionen abzumildern? Diejenigen, die erfolgreich die SARS-CoV-2-Infektion überstanden haben und damit immun sind, können keine Krankheit mehr übertragen, soziale Restriktionen sind nicht mehr erforderlich! Daher müssen die Gesundheitsämter jetzt planen, Kriterien dafür aufzustellen, wann eine Person als immun anzusehen ist, und sehr wichtig, auf Wunsch eine amtliche Immunitätsbescheinigung auszustellen. Das muss jetzt vorbereitet werden!

Regensburg, 25.3.2020 Prof. Dr. Dr. Hans Robert Kalbitzer


Wir brauchen einen SARS-CoV-2 Immunitätspass jetzt!

Die Coranaviruspandemie überrollt auch die Staaten, die ein gut entwickeltes Gesundheitssystem haben. Das liegt auch daran, dass frühzeitige Warnungen zunächst nicht ernstgenommen wurden und nicht alle sinnvollen, technisch möglichen Gegenmaßnahmen ohne Rücksicht auf die entstehenden Kosten durchgesetzt werden. Mögliche Entwicklungen der COVID-19-Pandemie unter verschiedenen Abwehrszenarien in Großbritannien und den USA wurden in einer soliden wissenschaftlichen Analyse des Imperial College COVID-19 Response Teams vom 16.3.2020 (DOI: https://doi.org/10.25561/77482) dargestellt, eine Lektüre, die man allen mit Krisenplanungen Befassten nahelegen sollte. Dies Analyse würde auch in den Grundzügen für Deutschland gelten, das eine ähnliche Bevölkerungszahl (66,4 vs. 80,8 Mio.) und ebenso ein relativ gut funktionierendes Gesundheitssystem hat. Die wohl in Großbritannien ursprünglich avisierte Strategie, keine einschneidenden Maßnahmen zur Seuchenbegrenzung zu ergreifen, wäre vom ökonomischen und seuchenhygienischen Standpunkt aus optimal Mit diese Strategie wären mehr als 400 000 Tote in den UK zu erwarten gewesen, im Wesentlichen, weil schon frühzeitig die schwer Erkrankten, die Beatmung benötigen, nicht mehr behandelt werden könnten. Der Vorteil dieser Strategie wäre, dass schon in Großbritannien nach ca. 2 Monaten, also Anfang Juni dieses Jahres, bei uns etwas früher, der Höhepunkt der Seuche zu erwarten wäre. Anfang August, also nach etwas mehr al 3 Monaten, wäre dann die Seuche faktisch beendet, da sich bei einem hohen Prozentsatz der Überlebenden eine Immunität ausgebildet hätte. Maßnahmen zur Einschränkung der Neuinfektionen, wie sie ja auch in Bayern geplant sind, könnten im Idealfall zu einer mehr als 10-fachen Reduktion der Todesfälle auf ca 30 000 führen. Inzwischen ist glücklicherweise allgemein akzeptiert, dass laisser-faire-Strategien ethisch ganz sicher nicht vertretbar sind, auch wenn es sich ja „nur“ um die polymorbiden Alten handelt, die ja in absehbarer Zeit ohnehin sterben würden. Alle anderen Strategien sollen dazu führen, dass die Anzahl der Toten reduziert wird, die aus unterlassener Behandlung (Beatmung) resultiert. Ein gemeinsamer, gewollter Effekt dieser Strategien ist, dass sich die Zeitdauer, während der restriktive Maßnahmen durchgeführt werden müssen, erheblich verlängert. Wenn kein ausreichendes Immunitätsniveau in der Bevölkerung erreicht wird (und dies muss europaweit gelten, wenn man die Grenzen wieder öffnen will), müssen die restriktiven Maßnehmen bis zur Verfügbarkeit einer Impfung aufrechtrehalten werden, also bis etwa Anfang nächsten Jahres.
Was kann man hier tun, um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen dieser langdauernden Restriktionen abzumildern? Eine relativ einfache Lösung ist, diejenigen, die erfolgreich eine SARS-CoV-2-Infektion überstanden haben und damit immun sind, wieder in ein „normales“ gesellschaftliches Leben einzugliedern. Da sie keine Infektion mehr übertragen können, sind sie anfangs besonders geeignet, kritische Positionen zu übernehmen (Krankenversorgung, Pflegeheime, zentrale Funktionen mit direkten zwischenmenschlichen Kontakten wie Lebensmittelhandel, an den Universitäten Abnahme von Prüfungen), später aber wenn der Anteil der Immunen erheblich ist und das wird wegen des exponentiellen Anstiegs der Infizierten bald so sein, könnten sie auch Funktionen in der Wirtschaft wieder aufnehmen. Es ist sicherlich kaum vertretbar, für diese Gruppe die Kontaktrestriktionen und Reisebeschränkungen aufrecht zu erhalten. Daher müssen die Gesundheitsämter jetzt planen, Kriterien dafür aufzustellen, wann eine Person als immun anzusehen ist (z, B, nach nachgewiesener Infektion in zwei PCR-Test kein Virus in zwei Analysen mehr nachweisbar oder Nachweis spezifischer Antikörper und ein PCR-Test ohne Virusnachweis). In diesem
Fall sollte auf Wunsch eine amtliche Bescheinigung für die Immunität ausgestellt werden. Es
ist auch daran zu denken, zusätzliche, für alle sichtbare Kennzeichen auszugeben. Hier kämen
z. B. nicht-entfernbare Stoffarmbänder in Frage wie sie beispielsweise bei Open-Air-
Konzerten gang und gäbe sind. Unberechtigtes Tragen dieser Kennzeichen muss mit
Strafandrohungen belegt werden.

Regensburg, 23.3.2020 Prof. Dr. Dr. Hans Robert Kalbitzer


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