Vor allem in den stark gebeutelten Eurokrisenländern in Südeuropa tauchen urplötzlich wieder die Flashbacks vom "hässlichen Deutschen" in Nazi-Uniform auf, unter deren Besatzung diese Völker leiden mussten. Diese Anti-Deutschland-Stimmung manifestiert sich in dem Bild von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitler-Bärtchen. So paradox wie dieses Bild auch sein mag, schließlich ist unsere Angie eine Frau und kein Bartträger, es zeigt dennoch, dass die Menschen in den EU-Südstaaten Merkels radikales und unbarmherziges Spardiktat für die hohe Arbeitslosigkeit, hohe Steuerlast, die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen bzw. sinkende Löhne und Renten in ihren Ländern verantwortlich machen. Bundesmutti Angela Merkel ist deshalb der Trigger in der schwersten Banken-, Staatsschulden- und Eurokrise der europäischen Nachkriegsgeschichte. Alte Ressentiments gegen die Deutschen gewinnen so wieder die Oberhand. In Europa geht es dabei zu wie in einer Patchwork-Familie in schlechten Zeiten. Wenn der Vater Hartz IV bekommt und langsam depressiv wird und die Mutter nur einen mehr oder weniger gut bezahlten Job hat, dann müssen die gemeinsamen Kinder und die aus früheren Ehen unter der miserablen Finanzlage leiden. Ist Europa also ein Fall für den Familientherapeuten? Ja sicher, denn Europa droht die Scheidung und das Ende des Euros, wenn sie ihre Probleme nicht in den Griff bekommt und ihre nationalen Vorurteile nicht endlich überwinden kann.

Roland Klose, Bad Fredeburg

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