Zwischen Windeln und Wahnsinn 17.1.14 LN
Es gibt sehr liebevolle Darstellungen vom Verlauf des Persönlichkeitsabbaus bei Alzheimerkranken (z. B. John Bayley: “Elegie für Iris“ oder Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“.) Aber auch schreckliche oder peinliche Darbietungen des Verfalls. Bei allen diesen Veröffentlichungen frage ich mich: War der/die Betroffene damit einverstanden? Sind dies auch die Bewohner von Heimen mit Demenzkranken, die uns manchmal im Fernsehen vorgeführt werden? Walter Jens meinte, er könnte nicht mehr leben, wenn er seine Selbstbestimmung verlieren würde. Gunther Sachs kannte die Medien und hat sich durch seinen Suizid der möglichen Vermarktung seines gefürchteten Niedergangs entzogen.
Wo ist die Grenze zwischen dem wohl auch vorhandenen Bedürfnis nach Einblick in solche Vorgänge und den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen? (Die sich ja meist nicht mehr kritisch äußern können).
Oder einmal anders gefragt: Wer von den Autoren und wer von uns noch Gesunden würde vor einer möglichen solchen Erkrankung damit einverstanden sein, dass der Zerfall seiner Persönlichkeit auf diese Weise behandelt wird?
Dr. Bern Carrière, Lübeck

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