Sehr verehrte Damen und Herren,
in der Folge finden Sie meinen Leserbrief zu der Berichterstattung über die Gesundheitsreform.
Besonders zu den Zweitmeinungen unabhängiger Ärzte vor Operationen :
Es wird Zeit, dass die unabhängige Zweitmeinung vor planbaren Operationen zur Pflicht wird. Dass laut Experten bis zu 40 % der Hüft-OPs und jede zweite Amputation medizinisch vermeidbar wären, ist ein Skandal, den ich selbst leidvoll erfahren musste. Vielerorts scheint nicht die Heilung, sondern die „Krankenhausrettung durch das Skalpell“ das Ziel zu sein. Oft werden planbare Eingriffe zu „Cashcows“ degradiert, während „nomadisierende“ Operateure Quoten erfüllen wollen. Darunter leiden vor allem wehrlose Patienten, die zur OP überredet werden, statt Alternativen aufgezeigt zu bekommen. Werden unnötige Eingriffe erkannt, schützt oft ein „Kartell des Schweigens“ innerhalb ärztlicher Netzwerke die Verantwortlichen. Die Patienten zahlen dabei doppelt: Einmal mit ihrer Gesundheit durch Schmerzen und Behinderungen – und ein zweites Mal finanziell als Teil der Solidargemeinschaft, die durch unnötige Kosten belastet wird. Auch das fleißige, oft überlastete Pflegepersonal und die ehrlichen Ärzte, die das System mit Anstand tragen, zahlen die Zeche für diese Fehlsteuerungen mit. Dieses System frisst sich durch falsche Anreize selbst auf. Die angekündigte Reform muss diesen Teufelskreis endlich durchbrechen und die medizinische Notwendigkeit wieder konsequent über die Rendite stellen. Aktuell leisten wir uns den gefährlichen Luxus einer massiven Überversorgung. Chirurgen operieren vorschnell an Gelenken oder greifen aus wirtschaftlichem Kalkül zum Skalpell, wo konservative Therapien ausreichen würden. Gleichzeitig erleben wir eine gravierende Fehlversorgung: Menschen ziehen sich über Jahre aus dem Erwerbsleben und der Solidargemeinschaft zurück, weil Diagnosen selten objektiv hinterfragt werden. Auch hier muss die unabhängige Zweitmeinung ansetzen – nicht als Option, sondern als verbindliche Instanz für ausnahmslos alle. Nur wenn wir die Objektivität zur Pflicht machen, schützen wir die Gesundheit des Einzelnen und sichern die finanzielle Stabilität unserer Solidargemeinschaft. Es ist Zeit für ein System, von dem am Ende wir alle profitieren.“
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Drolshagen











































































































