Zehn Milliarden für den Schutz von Zivilisten bis 2029
Mit tiefster Scham lese ich von diesem Zehn-Milliarden-Paket für Feldbetten, Sirenen und Schutzräume. Wir investieren gigantische Summen in den Schutz vor einer Kriegsmaschinerie, die durch das westliche Machtgefüge im Grunde selbst mit entfacht wird. Wer es heute noch wagt, sich diesem kollektiven Wahnsinn entgegenzustellen und statt Bunkern Verhandlungen fordert, wird im öffentlichen Diskurs sofort stigmatisiert und als „gefallener Engel, der aus der Hölle kommt“ diffamiert. Wenn friedenssuchende Bürger vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz derart beschimpft wurden, offenbart diese Hetze, wie sehr die Souveränität des Einzelnen bereits untergraben wurde. Wir wiederholen hierbei ein historisches Muster: Auch Jesus Christus wurde zu seiner Zeit als Staatsfeind und Unruhestifter denunziert und ans Kreuz genagelt, weil er die Souveränität des Menschen einforderte und die Tische der Geldwechsler im Tempel umwarf. Heute wird er von denselben Institutionen als harmloses Heiligtum verehrt, deren Verfechter damals wie heute aus der Angst und dem Krieg Profit schlagen. Die Wiederentdeckungen alter, apokrypher Schriften wie die des Thomas-Evangeliums machen erst jetzt richtig lesbar, wie sehr seine Botschaft des inneren Friedens schon damals von den Herrschenden bewusst falsch gedeutet und korrumpiert wurde, um Machtstrukturen zu sichern.
Wir leben in einer Epoche, in der wir angeblich den Kosmos erobern, künstliche Intelligenzen erschaffen und uns mit technologischem Luxus umgeben. Doch menschlich erleben wir eine Regression zurück in Brutalität und Massenmord. Unter dem Deckmantel vermeintlicher Werte versucht der Westen, ein globales Machtgefüge zu sichern und andere Kulturkreise zu dominieren. Es wirkt, als würden die uralten Konflikte, deren Grundsteine in den Epochen ab 622 und den historischen Spaltungen der Kirchenwelt gelegt wurden, heute einfach fortgeführt. Gelehrte wie Friedrich Nietzsche durchschauten diese moralische Heuchelei der westlichen Kultur früh und warnten vor dem Nihilismus einer Gesellschaft, die ihre eigenen Werte verrät. Erich Fromm analysierte treffend die menschliche Destruktivität und die Flucht vor der Freiheit, die sich heute im blinden Gehorsam gegenüber der Rüstungslogik manifestieren. Dass in unserer Gegenwart wieder geopolitische Kriege im Gewand alter religiöser und imperialer Fronten geführt werden, ist die Erfüllung dieser düsteren Diagnosen.
Das gesamte erwirtschaftete Kapital unserer Gesellschaft, das eigentlich das Fundament für Bildung, Wohlstand und Mitmenschlichkeit bilden sollte, wird bereitwillig geopfert, um die Infrastruktur der Zerstörung zu verwalten. Wir bauen Bunker, statt Brücken des Verstandes und der Liebe zu errichten. Es ist das Zeugnis einer Zivilisation, die den Fortschritt im Kopf, aber den Untergang im Herzen trägt und sich lieber unter der Erde vergräbt, anstatt ein neues, gemeinsames Grün zu erschaffen.
Uwe Reetz
Zehn Milliarden für den Schutz von Zivilisten bis 2029 (+3 neuere Briefe)
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