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Leserzuschrift an die Sächsische Zeitung Zu: „KI ist so mächtig – warum machen wir nichts daraus?", SZ vom 16. Mai 2026 und Papst Leos Äußerungen zu KI sowie die Nachricht, dass fast ein Viertel der Menschen heute KI für Finanzfragen nutzen, beides SZ vom 26.05.2026

KI kann mehr als schlechte Bilder – ein Erfahrungsbericht

Maximilian Helm hat recht: Zu viel KI-Nutzung ist gedankenlos, zu viel davon ist Unfug. Aber sein Artikel lässt etwas Entscheidendes aus. Er beschreibt, was passiert, wenn Menschen KI benutzen, ohne selbst zu denken. Er beschreibt nicht, was passiert, wenn Menschen mit KI denken.
Ich bin selbständiger Bauingenieur aus dem Osterzgebirge, kein Ökonom, kein Jurist, kein Politiker. Und ich habe in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Chinesin Zhang Di (Ökonomin) und der KI Claude des amerikanischen Unternehmens Anthropic etwas entwickelt, das ich mir vorher schlicht nicht zugetraut hätte: ein vollständiges Steuerreformmodell für Deutschland – fiskalisch durchgerechnet, verfassungsrechtlich begründet, mit 23 konkreten Fallbeispielen.

Wie das ging

Ich habe der KI eine einzige Frage gestellt: Was fällt Ihnen zu Artikel 14, Absatz 2 des Grundgesetzes ein? »Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der
Allgemeinheit dienen.« Dieser Satz steht seit 1949 im Grundgesetz. Er wurde noch nie zum Maßstab einer Steuerreform gemacht.
Aus dieser Frage entstand ein Dialog. Ich lieferte gemeinsam mit Zhang die Ideen, die Impulse, die Korrekturen. Die KI lieferte Struktur, Berechnungen, Quellenprüfungen und wies auf Lücken hin, die ich übersehen hätte. Wenn meine Zahlen nicht stimmten, sagte sie es. Wenn meine Annahmen zu optimistisch waren, sagte sie das auch.
Das Ergebnis: die Eigentumssteuer. Eine einzige Abgabe ersetzt alle Steuern und Sozialversicherungsbeiträge – bis auf die Umsatzsteuer. Wer von seiner Arbeit lebt, zahlt
künftig deutlich weniger. Wer große Vermögen hält, trägt endlich seinen verfassungsrechtlich gebotenen Anteil. Der berüchtigte Mittelstandsbauch – jene Zone, in der mittlere Einkommen überproportional belastet werden – verschwindet.

Was das mit Herrn Helms Artikel zu tun hat

Er schreibt: „KI kann Wirklichkeit werden, die Utopie der arbeitenden Maschinen und der davon profitierenden, sich den schönen Seiten des Lebens hingebenden Menschen." Ja. Aber nur wenn wir aufhören, die KI für uns denken zu lassen – und anfangen, mit ihr zu denken. Der Unterschied ist entscheidend. Wer der KI sagt »Mach mir ein Bild von einem Esel mit Schürze«, bekommt einen Esel mit Schürze. Wer ihr sagt »Ich habe diese Idee – hilf mir, sie zu durchdenken, zu rechnen und auf Fehler zu prüfen«, bekommt etwas anderes: einen Denkpartner, der nicht müde wird, nicht beleidigt ist, wenn man widerspricht, und der um drei Uhr nachts genauso konzentriert antwortet wie um neun Uhr morgens.

Was aus unserem Modell wurde

Das Modell ist inzwischen in zwei ausführlichen Dokumenten niedergelegt – auf Deutsch und Englisch. Ein verfassungsrechtliches Arbeitspapier wurde einer Professorin für Öffentliches Recht übergeben. Ein Artikel ist bei der ZEIT eingereicht. Mitverfasserin ist Zhang Di aus China, die den internationalen Blick einbrachte. Alle Berechnungen, Quellen und Annahmen sind transparent dokumentiert und ausdrücklich zur wissenschaftlichen Überprüfung freigegeben.
Ist das Modell perfekt? Nein. Es ist ein Denkanstoß, der validiert werden muss. Aber es zeigt, was möglich ist, wenn ein normaler Mensch mit einer klaren Frage und einem guten Werkzeug an ein großes Problem herangeht.
Herr Helm hat recht: Wir brauchen Gesetze, wir brauchen Verantwortung, wir brauchen mehr Bewusstsein im Umgang mit KI. Aber wir brauchen auch Mut, sie ernsthaft zu nutzen. Nicht für Esel mit Schürzen. Sondern  für die Fragen, die uns wirklich beschäftigen. Sie sind kein Werkzeug des Krieges, wie Papst Leo befürchtet, denn wir Nutzer lernen die KI fortwährend an. Aber wenn ich lese, dass immer mehr Menschen auf KI für Fragen zu ihren Geldanlagen zurückgreifen, dann hoffe ich, dass sie die richtigen Fragen stellen und die Antworten werten können. Meine Erfahrung zeigt, dass der KI viele Fragen gestellt und mit ihr verschiedene Aspekte behandelt werden müssen und deren Reaktion immer mit einem kritischen Blick begleitet werden muss, wenn man ein wirklich vertrauenswürdiges Ergebnis bekommen möchte.

Clemens Borrmann, Osterzgebirge

Der Autor hat gemeinsam mit Zhang Di (China) und der KI Claude (Anthropic) das Modell der Eigentumssteuer entwickelt. © 2026 Clemens Borrmann, Zhang Di, KI Claude (Anthropic) – urheberrechtlich geschützt. Abdruck in allen Zeitungen gestattet. Redaktionelle Änderungen sind grundsätzlich zuvor mit Clemens Borrmann abzustimmen und von ihm freigeben zu lassen.


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