Wie wir unsere Souveränität ans Wahlkreuz nageln
Das Kreuzchen auf dem Wahlzettel ist das modernste Sakrament unserer Zeit. Es ist ein Akt religiöser Hingabe in einer entzauberten Welt, in der wir den Glauben an uns selbst verloren haben und ihn nun in den Institutionen suchen. Wir ziehen in die Wahlkabine wie in einen Beichtstuhl, setzen unser Kreuz – unser ganz persönliches Jesuskreuz – und glauben allen Ernstes, wir würden damit die Welt erlösen. Doch die bittere Wahrheit ist: Wir nageln damit nicht den Retter ans Kreuz, sondern unsere eigene Souveränität. Wir opfern unsere Handlungsfähigkeit auf dem Altar der Parteienpolitik und hoffen, dass der „Retter“, den wir uns da gerade herbeigewählt haben, uns die Last der Verantwortung abnimmt. Es ist die ultimative Form der Selbstentmündigung, verkleidet als demokratischer Akt. Wer die AfD als Heilsbringer wählt, der hat die Souveränität bereits kapituliert. Er sucht keinen Mitstreiter für eine neue Gesellschaft, sondern einen Stellvertreter, der den Kampf für ihn führt, während er selbst den bequemen Beobachter spielt. Wir sehen sie dann zu Hause: Die neuen „Gläubigen“, das Bier in der Hand, die Fernbedienung wie eine Gebetskette umklammert, den Blick starr auf das Flimmern des Bildschirms gerichtet. Sie sind zur tatenlosen Masse degradiert, die bei jeder populistischen Pointe der Parteifunktionäre applaudiert – Sätze, die sie selbst nie gedacht hätten, die sie aber wie eine Hostie dankbar schlucken. Es ist ein bequemer, passiver Widerstand. Man gehört zu den „Guten“, zu den „Erwachten“, während man geistig in der Komfortzone vor sich hin dämmert und die eigene Trägheit als politisches Engagement missversteht. Das Ergebnis ist eine verblödete Öffentlichkeit, die sich im Taumel ihrer eigenen moralischen Überlegenheit sonnt, während sie den Zugriff auf die Wirklichkeit vollends verliert. Man kämpft nicht gegen die Ursachen der eigenen Ohnmacht, man kämpft gegen den Nachbarn. Der Nachbar steckt in derselben Falle, bloß auf der anderen Seite der Medaille, bei den Etablierten oder den linken Weltverbesserern. Beide Seiten halten sich für die Auserwählten, beide Seiten starren auf die jeweils andere Seite des Abgrunds, anstatt zu begreifen, dass sie beide auf derselben Konstruktion sitzen. Der Graben zwischen ihnen ist kein Ort der Begegnung, sondern ein von oben gezogener Trennstrich, der dafür sorgt, dass sich die Unmündigen gegenseitig zerfleischen, anstatt gemeinsam den Blick nach oben zu richten. Wer seine Souveränität so bereitwillig ans Kreuz nagelt, der darf sich nicht wundern, wenn er am Ende mit leeren Händen dasteht. Die AfD – oder jede andere Partei, die sich als Retter inszeniert – ist nur der Nagel in diesem makabren Spiel. Sie ist das Instrument, mit dem wir unsere politische Freiheit endgültig zu Grabe tragen, während wir uns einbilden, wir würden gerade die Auferstehung feiern. Es ist Zeit, das Kreuzchen als das zu erkennen, was es ist: nicht das Symbol der Erlösung, sondern der unterschriebene Vertrag zur eigenen Entmündigung. Solange wir auf einen Retter warten, werden wir Sklaven derer bleiben, die das Theaterstück inszenieren, in dem wir unsere eigene Souveränität tagtäglich zu Markte tragen.
Uwe Reetz













































































































Herzlichen Danke für die Worte der Anerkennung.
Ich denke nicht, dass es mir möglich ist Schwermut dort zu erzeugen, wo nicht bereits der Kein sein Heim gefunden hat. Dort wo es Schwermut gibt, ist auch Leben und so lange wir leben, hoffen wir auch. Probleme entstehen immer zuerst dort, wo wir uns weigern die Realität als das zu akzeptieren, was sie nun mal ist.
Ganz sicher habe ich kein Vergnügen daran düstere Szenarien zu malen, aber gern bin ich bereit mit Worten das zu schreiben, was viele fühlen oder eben einfach nur das was ich wahrnehme. So muss ich leider erleben, wie einstig freundliche Nachbarn sich plötzlich nicht mehr grüßen. Weil der eine AFD und der andere SPD wählt. Diese Gräben ziehen sich weiter in geimpft oder ungeimpft, Krieg oder Frieden mit Russland, Genozid oder Befreiungsschlag in Palästina und vielen anderen Themen.
Doch es gibt etwas, dass sie verbindet! Sie machen ihr Kreuz dort wo sie sich Erlösung erhoffen. Sie geben ihre Stimme jemandem den sie im Grunde nicht wirklich kennen. Sie wissen nicht, wie Alice Weidel privat agiert, mit ihren Eltern umging oder geht, wie sie mit ihren Freunden spricht usw. (wahlweise natürlich auch für jeden anderen)
Ihren Nachbarn hingegen, konnten sie jahrelang beobachten, kennen seine Gewohnheiten, Stärken und Schwächen. Mit ihm könnte man sprechen, vielleicht so wie Sie den Kommentar begonnen haben. Zunächst die Stärke anerkennen, dann den Standpunkt verhandeln und dann vielleicht den eigenen hinterfragen. Vom jeweiligen Standpunkt hängt numal die Sichtweise ab. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nur ein Schritt nach links oder rechts und schon kann man einen Blick auf das dahinter erkennen.
Souveränität bedeutet selbst zu handeln und zu denken, nicht einfach zu repetieren. Ich bin einem Theme ein Linker, bei einem anderen ein Rechter und wenn ich mir noch nicht sicher bin in der Mitte, oben oder unten.
Politik ist keine Lösung, vielleicht ein Mittel. "Unsere Demokratie" ist trügerisch. Lafontaine sagte irgendwann sinngemäß: "Wir haben keine Demokratie, denn wenn wir eine hätten, gäbe es die meisten Probleme der Gesellschaft gar nicht. Rente, Schulen, Gesundheitsvorsorge usw. dürften kein Thema mehr sein." (Gespräch mit Thilo Jung; findet man bei YouTube)
Ich kann die "Wahlen" gar nicht abschaffen und habe allein auch nicht die Möglichkeit ein neues "System" vorzuschlagen. Jesus Christus hat etwas interessantes vorgeschlagen und landete geradewegs am Kreuz. Seine Idee wurde zu einer neuen Fessel umgeschmiedet. Sein Vorschlag in der Bergpredigt war mit den Aussätzigen, Feinden, Kranken usw. zu reden. Ihnen freundlich zu begegnen und sich ihre Sorgen und Nöte anzuhören, Das scheint heute undenkbar zu sein, wenn man sich die Brandmauer ansieht, Putin als manifestes Feindbild, Selensyj als Heilsbringer - der Beispiele gibt es viele
Ich habe mit Hannes G. (AFD); Oskar L. (LInke), Gregor G. (PDS, LInke), Köppen (CDU) und der Namen viele sprechen können. Nur Rhetorik und nichts weiter.
Aber wir haben in unserem Örtchen seit 2020 freitags gemeinsame Lagerfeuerabende usw. daraus entstanden haben wir viele Veränderungen erreicht (keine WKA oder Solarfelder, ein Gemeindehaus, eine Badestelle, eine gute Straße, Naturschutz.....)Aber das Wichtigste! Wir reden nicht übereinander, sondern miteinander und helfen uns gegenseitig dort, wo es notwendig wird.