Was die Kamera-Pflicht in neuen Autos bedeutet
Vision Zero heißt die neue Devise.
Was wohl so viel heißen soll, dass es keine Verkehrstoten mehr geben soll. Man könnte argumentieren, dass die einzige Fehlerquelle – ähnlich wie bei unseren allseits beliebten Computern – direkt hinter dem Lenkrad sitzt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass man vor Jahren in der heimischen Garage selbst den Motor des Trabanten wechselte, die Zündung einstellte oder auch mal das Getriebe auseinandernahm. Auch das Telefon – wenn man das Glück hatte, eines genehmigt zu bekommen – wurde schon mal hier und dort gelötet. Man verstand, wie das ganze funktioniert.
Absurd, wenn man überlegt, dass man von seinem Telefon gesagt bekommt, was es will:
Gib mir Strom, gib mir Verbindung zum Netz, nimm mich in die Hand, gib den Code ein usw.
Auch unsere heißgeliebten Kutschen sind recht penetrant geworden, wenn sie uns sagen:
Du hast die Tür nicht verschlossen, du fährst nicht in der für dich vorgesehenen Spur, du fährst zu schnell, bring mich in die Werkstatt und nun auch noch sieh nach vorn.
Es setzt sogar den Notruf ab, wenn es meint, dass es nötig ist, und es kennt sogar – ohne Nachdenken zu müssen – die Nummer.
Eindeutig! Die Intelligenz und der Souverän befinden sich in der Hosentasche oder unter dem Allerwertesten.
In China berechnet eine KI, ob man zu schnell gefahren ist, und zieht dann auch gleich mal die Strafe vom Konto ab, woanders wird getestet, ob mit Hilfe der Satelliten die Geschwindigkeit – durch Eingriff in die Motorsteuerung – geregelt werden kann.
Da es nur um unsere Sicherheit geht, muss ich mich fragen, wie es dann dazu kommt, dass wir für ein Auto bezahlen, ohne entscheiden zu können, was wir haben wollen.
Bei den Krankenhausreformen wird hingegen gestrichen, was das Zeug hält, obwohl wir letzten Endes ebenfalls vollständig die Rechnungen zu tragen haben.
Im vergangenen Jahr waren 2.814 Verkehrstote zu betrauern; die Todesfälle durch Krankenhauskeime (10.000 bis 20.000) sowie durch Behandlungsfehler und falsche Medikationen (10.000 bis 17.000) – was insgesamt zusammengerechnet etwa 20.000 bis knapp 40.000 potenziell vermeidbare Todesfälle im medizinischen Bereich ergibt – werden hingegen nicht so richtig gezählt. Warum laufen in den Krankenhäusern keine Kameras stetig mit?
Oder besser noch in den Wohnungen? Dort zählt man zwischen 8.000 und 10.000 Tote durch Stürze u.ä.
Da wir gerade in einen Krieg schlittern – stetig wird aufgerüstet, als wenn es tatsächlich kein Morgen mehr geben wird, das wir zu erwarten haben –, frage ich mich, ob es nicht wesentlich sinnvoller wäre, all dieses Geld in die Ausbildung von Diplomaten oder Psychologen zu stecken, als uns den letzten Raum der Souveränität zu rauben.
Vielleicht aber wird uns bald – wie gewohnt aus Schule, Ausbildung, Ehemann oder Ehefrau, Chef in der Firma oder dem Finanzamt – omnipräsent gesagt, was wir wie und wann zu tun oder lassen haben.
Uwe Reetz












































































































