„Wir wollen den Fokus auf die Opfer legen, nicht auf die Täter.“
Mit diesem Zitat von Lara Bosch möchte ich meinen Leserbrief beginnen.
Am 01. August 2026 erschien ein Artikel bezüglich der Mahnwache, welche am 30. Juli 2026 vom Kreisverband Die Linke Siegen-Wittgenstein am Herrengarten organisiert wurde. Zu dem Artikel hat derselbige Verfasser auch seine persönliche Meinung offen gelegt. Sowohl der Artikel, aber vor allem die persönliche Meinung und Schwerpunktsetzung haben mich tief schockiert.
Eine Mahnwache ist ein Ort der Trauer und des Gedenkens an die Opfer eines gewaltvollen Verbrechens. Der Schwerpunkt liegt deshalb bewusst auf den Opfern und nicht auf dem Täter, der in der medialen Berichterstattung meist ohnehin die größte Aufmerksamkeit erhält. Insbesondere dann, wenn er einen Migrationshintergrund aufweist.
Es geht hier also nicht um eine Analyse des Täters, sondern dem würdevollen Gedenken an die Opfer. Ihr Zweck besteht darin, den Betroffenen und ihren Angehörigen Mitgefühl und Solidarität entgegenzubringen. Ähnlich wie bei einer Trauerfeier steht das Leben der Verstorbenen im Mittelpunkt, nicht die Art und Weise ihres Todes. Diesen Schwerpunkt im Nachhinein als problematisch darzustellen, empfinde ich als respektlos gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen
Die Aussagen des Verfassers, lediglich ein einziger Redner hätte Islamismus als Bedrohung angesprochen, wie auch die Behauptung, dass ein Redner, entgegen der behördlichen Einschätzungen die Tat als rechtsextrem bezeichnet habe, hinterlassen bei mir den Eindruck, man habe nicht nur die Redner, sondern die gesamte Veranstalltung in einem negativen und falschen Licht darstellen wollen.
Schlimmer noch: Der Verfasser hat von seinem Eindruck berichtet, dass durch diese Veranstalltung isalmistischer Terror verschwiegen oder sogar relativiert werde könne. Außerdem, dass durch die Aufmerksamkeitslenkung auf die Opfer und die wenige Aufmerksamkeit auf den Täter das Wachstum einer pauschalen Verurteilung der gesamten Religionsgemeinschaft riskiert werden könne.
Ich finde diese Einschätzung lässt sich hier eher als Realitätsverdrehung und Umdeutung von Fakten beschreiben. Ich möchte explizit noch mal darauf hinweisen, dass der Anschlag klar benannt wurde und der Schwerpunkt hier ganz klar auf der Trauer um die Opfer gesetzt wurde.
Ich möchte betonen, dass keiner der Redner das islamistische Tatmotiv geleugnet hat oder mit seinen Aussagen im Wiederspruch zu den Einschätzungen der Ermittlungen stand, wie es in dem Artikel den Anschein macht. Dass ein Redner die Tat auch als rechtsextreme Tat eingeordnet hat, war hier klar begründet, was ich im folgenden nochmals untermauern möchte. Wie man Rechtsextremismus definiert ist in der Forschung umstritten. Der Bund politischer Bildung definiert Rechtsextremismus als einen komplexen und wandlungsfähigen Begriff. Er umfasst nicht nur Neonazismus, sondern ist ein Bündel von folgenden Merkmalen: Die Ablehnung der Gleichwertigkeit aller Menschen, autoritäres und diktatorisches Denken, Ablehnung von Demokratie und Pluralismus, die Vorstellung einer homogenen Gesellschaft, Ungleichwertigkeit bestimmter Gruppen und Antisemitismus sowie Sexismus.
Hier besteht lediglich der Unterschied, dass im Islamismus die Ungleichwertigkeit bestimmter Gruppen und die daraus resultierende Ungleichbehandlung nach religiösen Normen stattfindet.
Mittlerweile hat sich neben dem geschlossenen rechtsextremen Weltbild auch ein etwas offener Blick entwickelt. Nach dieser weiter gefassten Definition kann man, erhebliche Überschneidungen mit der islamistischen Ideologien erkennen und daraus resultierend auf persönlicher und theoretischer Einordnung argumentieren, wie es auf dieser Veranstaltung der Fall gewesen ist, dass Islamismus eine besondere Ausprägung einer „rechten“ Ideologie sei.
Der Eindruck des Verfassers, den Rednerinnen und Rednern sei die Wahrheit über die Tat unangenehm gewesen oder sie hätten die Art des Verbrechens bewusst ausgeblendet, hält einer sachlichen Betrachtung nach meiner Auffassung nicht stand. Vielmehr entsteht dadurch selbst ein verzerrtes Bild der Veranstaltung.
In dem Punkt, dass die Schwerpunktsetzung der Mahnwache nicht zufällig war, kann ich dem Verfasser immerhin zustimmen. Ja, an diesem Tag ging es um die Opfer, um ihnen den Respekt und die Würde zu zeugen, die ihnen am Tag des Verbrechens genommen wurde.
In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Tag.
Nina Brand










































































































