Sehr geehrte Damen und Herren,
die Debatte um die Rente mit 63 wird oft zu emotional und an den Realitäten der arbeitenden Bevölkerung vorbei geführt.
Es ist absolut angemessen und eine Frage der Generationengerechtigkeit, dass Menschen nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können.
Der entscheidende Gradmesser für den Renteneintritt darf nicht das biologische Lebensjahr sein, sondern die Lebensarbeitszeit.
Wer mit 16 oder 17 Jahren eine handwerkliche oder pflegerische Ausbildung begonnen und seither ununterbrochen gearbeitet, eingezahlt und das System getragen hat, hat nach 45 Jahren seinen Soll übererfüllt.
Diese Menschen haben oft körperlich verschleißende Berufe und eine statistisch geringere Lebenserwartung als Akademiker, die erst Ende zwanzig in die Kassen einzahlen.
Ein starres Festhalten am Lebensalter bestraft genau diejenigen, die das Fundament unseres Sozialstaates bilden.
Kritisch anmerken muss man jedoch, dass das aktuelle System Fehlanreize setzt.
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren führt zu einem massiven Abfluss von benötigten Fachkräften.
Hier muss konstruktiv nachgebessert werden, statt das Prinzip der Beitragsjahre komplett zu kippen.
Ein sinnvoller Reformansatz wäre ein "Flexi-Modell nach 45 Beitragsjahren. Wer die Voraussetzungen erfüllt, erhält das Recht auf den abschlagsfreien Ruhestand, wird aber durch steuerliche Anreize motiviert, freiwillig in Teilzeit weiterzuarbeiten.
Würden Hinzuverdienste nach Erreichen der 45 Beitragsjahre weitgehend steuer- und abgabenfrei gestellt, könnten erfahrene Fachkräfte im System gehalten werden, ohne ihnen ihre verdienten Rechte zu nehmen.
Die Union muss sich dieser Debatte stellen oder sie läuft Gefahr, noch mehr Stammwähler zu verlieren.
Freundliche Grüße
Alfred Kastner











































































































