Unser Leben in der Diktatur
Der Osten Deutschlands war nach dem II. Weltkrieg Sowjetisches Besatzungszone. Ein große Kriegslast war zu bewältigen, großflächige Industrieansiedlungen waren kaum vorhanden. Wir bekamen die Diktatur des Proletariats, unter einer Partei, die immer Recht hatte! Eingesperrt sein wie in einem Zoo, wurde letztendlich unser Los. Die Wirtschaft wurde Volkseigentum, privilegierter, machtstrebender Reichtum verlor jegliche Chance. Das wieder erwachende Leben begann auf einheitlicher Ebene, von ganz unten. Anfänglicher Unmut im Volk wurde rigoros enthauptet. Es gab viel Mangel, und das Leben war ohne Schnickschnack. Jegliche Arbeitskraft, einschließlich Frauen, wurden ertüchtigt, daraus wurde Arbeitspflicht. Abseits des Politikgeschehens entwickelte sich ein bescheidenes, auskömmliches Leben. Es gab kaum Existenzangst und es war ein familien-freundliches Umfeld, ein Ehekredit wurde mit dem 3. Kind erlassen. Eine notwendige Grundversorgung war vorhanden. Es gab ein stabiles, berechenbares Preisniveau im täglichen Leben. Arbeitslosigkeit gab es nicht, alle wurden irgendwie beschäftigt. Die Medizinische Versorgung war kein Luxus, war flächendeckend, mit Vorsorge und sie war nicht einkunftsabhängig. Allmählich entwickelten sich auch überschaubare Vermögensunterschiede, aber höchstselten ein abgehobener Umgang miteinander. Alle Einkunftswerte landeten beim Finanzamt, Steuer bereinigt erfolgte dann die Entlohnung. Es gab verfehlte Wirtschaftspolitik, wir besaßen keine frei konvertierbare Währung und waren im Ausland nicht kreditwürdig. Die Finanznöte behinderten wirtschaftliche Entwicklung, verhinderten öfter notwendige Investitionen und waren auch ursächlich für großen Umwelt Frefel. Die Befriedung der Bevölkerung war dabei auch nicht zu vernachlässigen. Es bestand Ausreise-verbot. Meinungsfreiheit wurde unterdrückt und es gab manipulierte Wahlen. Auf angenommenen Verdacht wurden Bevölkerungsbereiche ausgespäht. Wenn man trotzdem nicht nur das Negative bei der Bewertung der Lebenssituation sah, konnte man einen erfüllenden Lebensweg finden. Fortwährend gegen Unabänderliches zu kämpfen, ergibt keinen Lebenssinn, lediglich Verzweiflung. Kritik wurde in Zweideutigkeit verpackt und fand seinen Weg in die Öffentlichkeit. Aber offener kritischer Geist wurde stark sanktioniert und verfolgt. Ja, es gab politisches Unrecht und Folter, sogar anfänglich die Todesstrafe, auch Fluchtopfer. Bis dann endlich das Maß voll war! Wir hatten trotzdem ein erfüllendes Leben mit wunderbaren Momenten, wie auch in der Folgezeit.
Für "Unser" Land hatte ich mir aber einen achtungsvolleren Weg vorgestellt und sehr gewünscht! Die Chance ist leider verraucht.
Es besteht kaum Interesse am normalen Leben der DDR Bevölkerung. Stattdessen Reduzierung der Sichtweise vorwiegend auf Diktatur, Unrechtstaat und natürlich das Agieren der Stasi; das Leben dort muss scheinbar die Hölle gewesen sein! "Warum habt ihr Euch das so lange gefallen lassen!?", wurde oft nachgefragt.
Was hat sich verändert?
Wir haben Diktatur des Geldes, welches symbolisch die Parteirolle übernommen hat, die natürlich auch immer Recht hat. Politikausrichtung der Regierung wird von vielerlei Lobbyinteressen beeinflusst. Das passiert aber diskret, außerhalb öffentlicher Sichtbarkeit. Auch Misswirtschaft in relevanten großen Wirtschaftsbereichen gehört zur Realität. Die wohl "naturgegebene" Steigerung von Rendite siebenstündlich ein Muss. Für entstandenen Schaden durch Unfähigkeit, tragen selbstverständlich, "andere" die Verantwortung. Diese 16 verschiedenen Landes-Bürokratien und Gesetzlichkeiten, gekrönt mit einer ominösen "Steuererklärung", ist der blanke Horror für ein entspanntes gesellschaftliches Zusammenleben. Für uns "Neubürger" sind diese Dimensionen einfach unbegreiflich und nicht nachzuvollziehen.
Wir haben nun Demokratie mit freien Wahlen, können dadurch Einfluss nehmen, auch durch die Versammlungsfreiheit. Wir können die Meinungsfreiheit ausleben, in der Hoffnung, dass es auf entsprechende Empfänger trifft. Und die Freiheit zu reisen ist eine wunderbare Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen. Es gibt keine Mangelwirtschaft, sondern ein unermessliches Angebot an Waren und Erzeugnissen. Die enormen Möglichkeiten die eigenen Lebensvorstellungen zu verwirklichen, sind toll. Jeder kann sich seinem Lebenstraum zuwenden und sich auf den Weg machen. Gewisse Gefahren sind aber dabei ein ständiger Begleiter, was kann ich mir mit den Einkünften leisten, bezahlbare Wohnung, Inflation, unsicheres Arbeitsverhältnis; und Kinder stellen obendrein eine finanzielle und bürokratische Belastung. Der Überfluss und dieser ewige Steigerungszwang sind ein Wahnsinn und sehr beängstigend dar. Achtung und Überlebens notwendige Entwicklungsschritte werden "Heeren Zielen" unterworfen. Klientel - Parteien beharren auf die eigenen Ziel und verlieren den Blick auf die Bedürfnisse in der Gesellschaft und die der Umwelt. Hinwendung der Nichtwahrgenommenen zu "Extremen", das ist nun die scheinbare Lösung; oder ist es Hoffnungslosigkeit?
Wäre es nicht ehrlicher und erforderlich gewesen, einen Vereinigungsweg zu gehen, der gleichberechtigt und achtungsvoll auf der vordefinierten "Grundgesetzlichen Ebene" basiert hätte?! Hätte das nicht Demokratie verständlicher gemacht?
Warum konnte, durfte "Das" nicht Realität werden?! Mit vielen Fragen und großem Bedauern stehe ich nun da.
Steht jetzt nicht auch die Frage im Raum, "Warum lassen wir uns das alles gefallen?"???!
E. Rohleder












































































































