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Sehr geehrte Damen und Herren,

nun halte ich es für durchaus berechtigt, daß Briefträger, die bei jedem Wind und Wetter tapfer Ihre überladenen Fahrräder durch München wuchten, um einen gerechten Lohn kämpfen.

Der nun seit drei Wochen andauernde Streik hat allerdings für einige hundert arme Münchner eine Folge, die vielen vielleicht heute noch nicht klar ist. Wer als Arbeitsloser nämlich über kein Bankkonto verfügt, bekommt sein Arbeitslosengeld durch einen zu Anfang des Monats verschickten Postscheck ausgezahlt.

Diese Postschecks, deren Ausstellung und Einlösung man sich vom Jobcenter mit zusammen € 6,60 Gebühren bezahlen läßt, werden zentral einige Tage vor Monatswechsel in Nürnberg ausgestellt. -- Die aber mangels Briefzustellung nicht ankommen werden!, was etliche Arbetslose, denen diese Tatsache wohl noch nicht bewußt ist, angesichts des sowieso extrem knappen Regelsatzes nächste Woche in Schwierigkeiten bringen dürfte. In München werden hiervon mehrere hundert Menschen betroffen sein.

Nun gibt es in jedem Münchener Sozialbürgerhaus eine Kasse an der die Leistung bei Bedarf auch bar ausgezahlt wird. Als potentiell Betroffener habe ich mich heute, meiner Ansicht nach durchaus frühzeitig genug, schon vertraunesvoll an meine zuständige Sachbearbeiterin gewandt, die, gelinde gesagt, überrascht war, keinerei  Problembewußtsein zeigte und nach Rücksprache dann mitteilte, daß der „Rechnungsschluß“ schon erfolgt sei, eine Barauszahlung nicht in Frage komme ... „Wer zu spät kommt ...“

Man kann beim Jobcenter auch nicht sagen, daß es sich hier um ein neues, erstmals auftretendes Problem handelt, wie eine kurze Websuche zu Thema zeigt :"Hartz4 Auszahlung, Poststrek, Scheck" fördert genug Treffer zu Tage, teilweise von 2008, teils vom März. Sicherlich ist ein Streik „höhere Gewalt.“ Aber mit einem bißchen guten Willen und vorausschauendem Handeln hätten die Verantwortlichen, die ja auch zur Unterstützung und nicht nur zur Schikane eines schwächeren Teils der Bevölkerung da sein sollen, einmal zeigen können, daß sie nicht einfach nur Teil einer seelenlosen Bürokratie sind, die z.B. im Rollstuhl sitzenden Spengler unter Sanktionsdrohung als Dachdecker zum Arbeiten zwingen wollen, sondern effektiv Ihren Dienst am Bürger zu erledigen.

Der heute auf Anfrage gegebene Rat (Jobcenter Moosach-Neuhausen), man könne ja hoffen und Ende nächster Woche ggf.. um ein paar Lebensmittelgutscheine vorbeikommen ist nicht nur für die Betroffenen entwürdigend, sondern zahlt auch keine Stromrechnung usw. Auf Mahnkosten usw. bleiben wieder einmal die Kleinen sitzen. Vermeidbar wäre dies gewesen, hätte man von Behördenseite nur etwas flexibel gehandelt.
(Die pragmatischste Lösung, nämlich am Ersten bar auszuzahlen mit der Auflage den uneingelösten Scheck bis Ende zurückzugeben ist schon deshalb wohl nicht tragbar. Denn jeder „Kunde“ einer deutschen Behörde ist ja ein Verbrecher, der dann doppelt kassiert -- daß man im Folgemonat die Leistung streichen könnte wäre zu weit gedacht!)
An den „heiligen Bürokratius“ zu beten ist eben zwecklos.

Heinrich Lohner


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