Die Bundeskanzlerin hat am Vorabend der NATO – Konferenz in Warschau von der Notwendigkeit der Gleichzeitigkeit von Abschreckung und Verhandlungsbereitschaft geredet.
Würden Sie Frau Bundeskanzlerin, einem Manne vertrauen, der Ihnen die Rechte zum Händedruck entgegenstreckt und Ihnen gleichzeitig die zur Faust geballte Linke unter die Nase hält? Wie wirklichkeitsnah und wie wirklichkeitsfremd sind solche Sprüche? Das ist dreißig Jahre altes Vokabular aus der Zeit des NATO – Doppelbeschlusses. Damals kam es nur deshalb nicht zum Krieg, weil die sowjetische Wirtschaftskraft erschöpft war. Abschreckung zwischen gleichstarken militärischen Kräften funktioniert nicht. Der mit einem Abschreckungsversuch Bedrohte wird mit einer noch effizienteren Gegen - Abschreckung reagieren. Darauf folgt dann eine abermals effizientere Gegen – Abschreckung. Und so beginnt die Eskalation bis hin zum großen Krieg. Am Ende eines solchen Krieges zwischen der NATO und Russland wird Europa platt wie der Boden eines Topfes sein und auf Grund atomarer Verstrahlung unbewohnbar. Flüchtlingsströme werden durch Europa ziehen, die kein Zuhause mehr finden. Hauptsache, die amerikanische Rüstungsindustrie – weitab vom Schuss – hat an dem Kriege gut verdient, denn der Waffenmarkt innerhalb der USA ist ja inzwischen so gesättigt, dass da nicht mehr viel zu verdienen ist. Jeder amerikanische Haushalt scheint offensichtlich über ein halbes Dutzend Waffen zu verfügen!! Es war einmal ein Tag in der Weltgeschichte, an welchem der Weltfrieden ganz nahe war. Das war der 25.2.1991, der Tag der Auflösung des Warschauer Paktes! Die NATO hätte dem guten Beispiel am 26.2.1991 folgen können. Ein helleres Zeitalter hätte anbrechen können. Aber nein! Die USA benötigten die NATO noch als Knüppel für die Erreichung ihrer unseriösen weltpolitischen Ziele – z.B. für die völkerrechtswidrige Militärinvasion des Irak vom 20. März 2003 bis 1. Mai 2003 – gestützt auf die hilfsbereite „Koalition der Willfährigen“ – mit annähernd einer Million ziviler Toter, wovon sich der Irak bis zum heutigen Tage nicht erholt hat! Der NATO ist vorzuwerfen, dass sie bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Willen zur Selbstläuterung nicht aufgebracht hat, indem sie die beiden Hauptschuldigen, den ehemaligen US – Präsidenten George W. Bush und den britischen Ministerpräsidenten Tony Blair, zum Internationalen Strafgerichtshof überstellt hat. Um das Maß übervoll zu machen, folgten auf die Auflösung des Warschauer Paktes mehrere NATO – Osterweiterungen, mit denen die Weltmacht USA immer näher an das östliche Machtzentrum Moskau heranrückte, so dass dieses sich verständlicherweise bedroht fühlte.So hat nun in Warschau ein Schuldiger über einen Schuldigen zu Gericht gesessen. Wladimir Putins Invasion der Krim hat zwar nicht gerade „auf die feine englische Art“ stattgefunden, nämlich mit einer vermummten Räuberbande – allerdings nicht ganz ohne historische Berechtigung, denn die Krim war bis 1954 ein Teil Russlands und wurde von dem Ukrainer Nikita Chruschtschow in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der KPDSU von Russland abgetrennt und seiner Heimat, der Ukraine, zugeschlagen.
Frau Bundeskanzlerin, wenn Sie schon unwillig sind, sich darüber aufzuregen, dass Ihre Verbündeten, die Kriegsverbrecher George W. Bush und Tony Blair, die mit ihrem Überfall auf den Irak eine Million tote irakische Zivilisten produziert haben, sich jemals vor dem Internationalen Strafgerichtshof werden verantworten müssen, dann sollten Sie auch damit aufhören, Wladimir Putin die Besetzung der Krim vorzuwerfen , für die es eine solidere historische Rechtfertigung gab als für den Überfall der NATO auf den Irak – und Putin ohne „Wenn und aber“ die Hand zur Begründung einer stabilen Deutsch – Russischen Freundschaft reichen, unabhängig von den Interessen der amerikanischen Rüstungsindustrie, die auf Spannungen zwischen der NATO und Russland angewiesen ist, um ihre Auftragsbücher zu füllen! Otfried Schrot
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