Investition in unsichere Strecke - QR Code Friendly
Zufällig bekam ich die LVZ vom 24.7 in die Hände, wo über die drohende Betriebseinstellung der Strecke Döbeln Nossen berichtet wurde. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, es handelt sich hierbei um eine Hauptstrecke, die mehrere Städte mit einander und mit dem Oberzentrum Dresden verbindet, und nicht etwa um irgend eine Nebenstrecke in Anhalt.
Der Bus als Alternative wird noch deutlich mehr Fahrzeit brauchen als der Zug und damit den ÖPNV unattraktiver machen.  Ist das etwa gewollt?  Sollen wir alle, bis auf Schüler und  nicht mehr fahrtüchtige ältere Bürger nur noch Auto fahren? 
Wenn das Fahrgastaufkommen so gering ist, dass es sich angeblich nicht lohnt, dann sind im Vorfeld Fehler gemacht worden. Einst gab es eine durchgehende Verbindung von Leipzig nach Dresden-Neustadt über Döbeln und Nossen in gut zwei Stunden. Dann fuhren die Züge nur noch bis Meißen, dann wurde der Verkehr in Großbothen oder Döbeln unterbrochen, so dass man mit Salamitaktik und verkehrspolitischer  Kleinkrämerei diese eigentlich wichtige Verbindung zwischen zwei Oberzentren systematisch immer unattraktiver gemacht hat. Diese Strecke ist eine wichtige Umgehung für die Magistrale Leipzig Dresden im Falle von Bauarbeiten und Betriebsstörungen und wäre auch im Güterverkehr eine Entlastungsader.
Andernorts werden solche Strecken entwickelt und gezielt in das S-Bahn-Netz eingebunden! Das naheliegends Beispiel ist das neue S-Bahnnetz Mitteldeutschland, das bis weit ins Voigtland und bis in die Lausitz hineinragt. In Mecklenburg als nicht gerade vor Wirtschaftskraft strotzenden Bundesland gibt es mit Döbeln und Nossen vergleichbare Städte, die sogar IC-Haltebahnhöfe haben (Bützow, Hagenow, Bad Kleinen), während im wohlhabenden Sachsen vergleichbare und größere Städte vom Bahnverkehr abgehängt werden. Hier wiederholen sich die Fehler, die in den 70er Jahren in NRW und anderen Bundesländern gemacht wurden und sich nun in unendlichen Blechlawinen rächen. Es kann nicht sein, dass solche Entscheidungen gefällt werden, die ganze bahnsystemrelevante Bereiche ausschneiden.
Die Städte Döbeln und Nossen orientieren sich nach Dresden als Oberzentrum, es muss in deren Interesse und im Interesse des Freistaates sein, eine attraktive Bahnverbindung dorthin zu bekommen.

Henry Risse
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Kommentare

# Alois Sepp 2014-08-22 14:05
Ja, wer weiß, was für "Dilletanten und Strippenzieher" hinter solchen Entscheidungen stehen. Wer weiß, wer hier steuert, gesteuert wird oder nur wieder einmal den Rahm abschöpft?

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