SZ vom 12.09.2014, Seite R16, Titel "Wer betrügt, der fliegt"
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Der Rücktritt von Christine Haderthauer hat wohl niemand überrascht und die Trauer darüber dürfte sich auch bei manchen so genannten Parteifreunden in der CSU in Grenzen halten. Die Chefin der bayerischen Staatskanzlei hat eben Dinge getan, die man (Frau) einfach nicht tut, wie Ministerpräsident Seehofer sich bei anderer Gelegenheit ausgedrückt hat. Ihrem ganzen Mißmanagement bei der Krisenbewältigung hat allerdings erst ihr Ehemann, der Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer, die Krone aufgesetzt, mit seinem Versuch, durch Drohungen via Anwalt die Medienberichterstattung zu unterdrücken. Ab diesem Zeitpunkt brannte die Lunte am Pulverfaß
lichterloh. Es gehört zwar zum täglichen Brot der Politiker, die Bürger für dumm zu verkaufen und meistens funktioniert das auch ganz gut; wer aber die Medien – insbesondere die Presse – angreift hat hierzulande schlechte Karten. Und das ist gut so! Das sollten sich auch jene CSU-Granden hinter die Ohren schreiben, die in einem Interview mit der örtlichen Tageszeitung selbstmitleidig den "öffentlichen Druck" auf Politiker beklagt haben. Wer den Bogen überspannt, riskiert eben, daß die Sehne eines Tages reißt. Da braucht man nicht die Schuld bei anderen zu suchen oder gar das Gespenst einer medialen Hexenjagd an die Wand zu malen.
"Wer betrügt, der fliegt!" Selten hat sich ein Propagandaspruch aus dem Wahlkampf so augenfällig gegen seine Urheber gerichtet, wie dieser CSU-Slogan gegen die gleichnamige Partei; er wurde zum Rohrkrepierer par excellence und sinnigerweise hat es den Ex-Verteidigungsminister von und zu Guttenberg zuallererst erwischt. Dem Stadtrat von Ingolstadt bleibt Frau Haderthauer als Mitglied ja weiterhin erhalten – nicht gerade schmeichelhaft für die Bürger unserer Stadt.

Dr. Werner J. Leitmeier
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