500 000 €uro wofür bitte? - QR Code Friendly
Der langjährige Landrat des Rhein-Sieg-Kreises soll für eine Tätigkeit als Aufsichtsrat beim Unternehmen RWE eine Zahlung in Höhe von mehr als fünfhunderttausend Euro erhalten.
Derzeit ist strittig, ob ihm dieser Betrag zustehe. Es wird diskutiert, ob er diese Tätigkeit als Person oder in seiner Funktion als Landrat ausgeübt habe. Damit ist eine Geisterdiskussion im Gange.
Sie lenkt von den Fragen ab, die eigentlich wichtig sind und zu diskutieren wären!
 
Wurde durch diese Tätigkeit überhaupt ein positiver  Wertschöpfungsbeitrag geleistet?
 
Diese Frage ist durch die unternehmerische Entscheidung von EON in dieser Woche eindeutig und offensichtlich beantwortet worden!

In der Diskussion um die Vergütung für die Tätigkeit als Aufsichtsrat  bei einem Unternehmen wie RWE und Unternehmen mit gleichem oder ähnlichen Geschäftsmodellen  sind m. E. grundsätzlich zwei Fragen zu stellen und bei der Beurteilung auch sachlich auseinander zu halten !
 
  1.    Inwiefern soll eine Bezahlung dem Grunde nach stattfinden?
  2.    Die wesentliche und wichtigere Frage betrifft  jedoch die  Höhe der  Bezahlung. 
         Welche Kriterien werden dafür zugrunde gelegt und welcher Maßstab wird angelegt,
         um die Höhe der Bezahlung zu messen!
         Damit wird der Wert des Beitrages dieser Tätigkeit für die Gesellschaft festgelegt!
 
Die erste Frage sollte weitgehend unstrittig zu beantworten sein. Für jedwede Tätigkeit entstehen jeder Person gewisse finanzielle Aufwendungen, die mit der unmittelbaren Ausübung zwangsläufig verbunden sind, wie Reise-, Aufenthaltskosten sowie eine Entschädigung in Höhe der entgangen Kosten für den Zeitaufwand der Person.  Im Falle eines Landrates bestünde dieser Teil der Entschädigung im Zeitaufwand- gemessen in Stunden -  multipliziert mit dem für einen Landrat gültigen Stundensatz. Falls bei der Anwendung dieser Methode ein Betrag von mehr als 500 000 Euro herauskäme, wäre das zwar etwas verwunderlich, aber dann müßte man über die Höhe und die Wertigkeit der Vergütung eines Landrates mal genauer nachdenken.
 
In einer Gesellschaft, welche ihre Entlohnungssysteme generell unter die Maxime der Leistungserbringung stellt , also den positiven Wertbeitrag jeder Tätigkeit zum gesamt gesellschaftlichen Ergebnis misst, ist die Beantwortung etwas schwieriger, aber nicht weniger eindeutig!
 
Die Aufsichtsräte des Unternehmens RWE haben jahrzehntelang ein Geschäftsmodell „beaufsichtigt“ , das zwei wesentliche grundlegende Fragen niemals schlüssig beantworten konnte. Diese beiden Fragen hätte sich jedes Mitglied für sich selber stellen können und müssen, egal ob als Person oder in der Funktion eines Landrates. Sie  wäre dann zu dem Ergebnis gekommen, daß ein solches Geschäftsmodell gesamt gesellschaftlich von Anfang an und auf alle Zeit hinaus nicht tragbar sein kann!  Der  Wertbeitrag  einer beaufsichtigenden Tätigkeit für ein solches Unternehmen also wertlos ist und damit auch eine Vergütung für diese Tätigkeit in Höhe von  0 anzusetzen ist!
 
 Das Unternehmen EON hat diese Fragen in der abgelaufenen Woche eindeutig beantwortet! Mit dieser Antwort wurde auch für alle Welt das endgültige Scheitern eine solchen Geschäftsmodells offensichtlich.
 
Die erste Frage betrifft die Art und Weise des Betriebes. Der Betrieb zur Erzeugung von Strom aus Kernbrennstoff steht unter dem völlig unwägbaren Risiko des Eintritts eines Schadens mit einer relativ geringen Wahrscheinlichkeit, verbunden mit einem völlig unkalkulierbaren Risiko der Höhe des dann eintretenden Schadens!
 
In den einschlägigen Gesetzen wurde deshalb die Grenze der Haftung der Betreiber von Anfang an einfach auf  einen festen Betrag – ursprünglich 500 Mio. DM – festgesetzt.  Jeder einsichtigen Person war völlig klar, daß damit die Schäden eines Atomunfalls nie und nimmer zu beheben sind!

Die zweite Frage betrifft die Behandlung der Reststoffe  dieses Geschäftsmodells.  Auch die Beantwortung dieser Frage war von Anfang an leicht zu geben. Es gab und gibt keine schlüssige Antwort – außer der, daß die nachfolgenden Generationen auf unabsehbare  Zeiten das Risiko dieses strahlenden Mülls und die Kosten seiner Sicherung zu tragen haben werden! Dafür sind weitere gesamt gesellschaftliche Aufwendungen in unabsehbarer Höhe erforderlich!

Weshalb sollte also die Gesellschaft für diese negativen Wertbeiträge noch  500 000 Euro an Personen bezahlen, die durch ihre "beaufsichtigende Tätigkeit" zu einem solchen Leistungsergebnis beigetragen haben?
H.Federmann
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