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Mitstreiter schicken ihre Leserbriefe. Mitstreiter an uns und an ihre Zeitung.

 Die Geburt der SZ  durch Lizenzvergabe 1945 fand in und auf den Trümmern Münchens statt. Die Innenstadt war zu 90 %, die gesamte Stadt zu 50% zerstört. Deutlicher konnte München als ‚Hauptstadt der Bewegung’  nicht  untergehen. Ihr Momentum aber war erhalten geblieben, denn  diesem Ende schien tatsächlich ein Zauber inne zu wohnen:  Nach wenigen Jahrzehnten war München wieder da und zwar nicht irgendwo, sondern ziemlich weit vorne: als zweitwichtigste Verlagsstadt der Welt – Nr. 1 ist New York -  und als Weltzentrum der Versicherungswirtschaft. Ganz zu schweigen vom Platz 1 als Weltvergnügungshauptstadt,  zu der inzwischen jedes Jahr  innerhalb von zwei Wochen ca. 6 Millionen Besucher strömen, um für teures, dafür schlecht eingeschenktes Bier, getrunken zu sehr lauter Musik und fragwürdigem Gesang nicht weniger  eine Milliarde Euro auszugeben.

Nachzulesen sind all diese Entwicklungen und noch viel mehr im Archiv  der Süddeutschen Zeitung.

Ich bin seit ca. 1965 regelmäßige Leserin dieser Zeitung. Damals war ich 17, seit meiner Geburt 1948 begeisterte Münchnerin und an fast allem interessiert, was sich in der Stadt und der Welt ereignete. Außer Sport. Der Sportteil der Zeitung wurde  von mir von Anfang an ‚nicht mal ignoriert’. Inzwischen finde ich Fußball und Hochleistungssport wegen ihres völlig sinnfreien Verblödungsfaktors ein echtes Dauerärgernis. Es ist wahr: im Vergleich zu meiner  Heimatzeitung seit 50 Jahren, der SZ, bin ich nicht Mainstream. Dass die SZ Mainstream sein will, kann ich ihr nicht vorwerfen, denn wenn man jeden Tag  ein paar hunderttausend Leser haben möchte, muss man Mainstream sein. Dazu gehört für eine Zeitung auch ein ausführlicher Sportteil. Leider. Das wird uns immer trennen.  Verbunden war ich der der SZ trotzdem immer sehr eng und zeitweise sogar intim.

1972 verliebte ich mich in einen SZ-Journalisten, mit dem ich in Schwabing  Tür an Tür wohnte. Durch ihn lernte ich damals das gesamte ‚Kommentatoren’-Stockwerk in der Sendlingerstrasse kennen. Meine Güte, wie locker und leger war das Journalisten-Leben damals! Über Geld- und Finanzthemen machten sich die Kommentatoren der SZ  noch so gut wie nie Gedanken.

Diese Intim-Beziehung zur SZ währte ungefähr vier Jahre.  Danach, während des ‚deutschen Herbstes’ war ich vier Jahre im außer europäischen Ausland, was auch die längste und umfassendste Zäsur in meiner Lektüre der SZ bedeutete.

Danach ging es mit der SZ-Lektüre erst einmal nur sporadisch weiter, weil ich bis 1995 zwar in Deutschland aber nicht in Bayern wohnte. Seither bin ich wieder da, lebe und arbeite in meiner Heimatstadt,

Nach Aufenthalten  im Ausland  lese die SZ, seit einigen Jahren als E-Paper, weil meine Wohnung für das viele Papier aller Tages- und Wochenzeitungen zu klein wäre. Und wie die Zeitung bin ich inzwischen auch schon fast 70.  Das erstaunt mich manchmal.

 

Der größte und dramatischste Einschnitt in meinem Verhältnis zur SZ war nicht, wie für fast alle ihrer Journalisten, der Umzug an den Stadtrand, sondern ein Tod. 2003 starb  Riehl-Heyse, ‚der Riehl’, den ich aus dem Kommentatoren-Stockwerk kannte. Riehl hinterließ nicht nur  eine intellektuelle Lücke, sondern auch eine menschliche, die sich bis heute nicht geschlossen hat. Er war etwas Besonderes, so unmöglich wie ein ‚schwarzer Schimmel’ -  er war ein unzynischer Journalist.  Er war ein ‚Guter’ in jeder Beziehung, Protagonist einer Welt von Gestern, der des 20. Jahrhunderts, die wir gerade untergehen sehen. Und was macht die SZ? Sie beschreibt diesen Untergang und damit (wahrscheinlich) auch ihren eigenen. Täglich. Das ist ihre Aufgabe.

 

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