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Ein ganz besonderes Jubiläum wurde vom 22. bis 24. April, in Ingolstadt gefeiert: Das „Fest zum reinen Bier“, das an die Verkündung des Reinheitsgebotes am Georgitag (23.April) des Jahres 1516 durch den Bayern-Herzog Wilhelm IV. in der Stadt an der Donau erinnern sollte. Dieses bayerische Reinheitsgebot für das Bierbrauen ist - wenn man so will - das älteste, noch heute gültige Lebensmittelgesetz in ganz Europa. Dem Anlaß entsprechend prominent und illuster war auch die Schar der Gäste bei dieser 500-Jahr-Feier. Sogar das japanische Fernsehen war live dabei! Auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Freitagvormittag via Flugplatz Manching den Weg in die „Schanz“ (so lautet die althergebrachte Bezeichnung für die ehemalige bayerische Landesfestung Ingolstadt), gefunden und schritt, als „Lady in Red“ gekleidet, über den ausgelegten Roten Teppich. Zu der, aus Berlin angereisten Politprominenz zählten ferner Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, UNIONS-Fraktionschef Volker Kauder, LINKEN-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch und Cem Özdemir vom Bundesvorstand der GRÜNEN. Selbstverständlich waren die bayerische Landes- und Kommunalpolitik ebenso vertreten wie - schon von Berufs wegen - der Deutsche Brauerbund, der Bayerische Brauerbund und der Deutsche Braumeister- und Malzmeisterbund. Zwei gebürtige „Schanzer“, für die das Ganze ein Heimspiel gewesen wäre, glänzten allerdings durch Abwesenheit: Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und die Bundestagsabgeordnete und bayerische Landeschefin der LINKEN, Eva Bulling-Schröter. Enttäuschend war der Festzug vom Ingolstädter Liebfrauenmünster zum Neuen Schloß am Samstagvormittag. Nur eineinhalb Minuten hat es gedauert, bis alle Historiendarsteller und Ehrengäste an einem Betrachter vorbeimarschiert waren, wie ein Schreiberling des DONAUKURIER, der örtlichen Tageszeitung, festgestellt haben will; die bei solchen Gelegenheiten in Bayern übliche Blasmusik und Brauereigespanne suchte man vergebens. Dafür zeigte die so genannte Stadtwache, eine pseudo-historische Mannschaft in Phantasieuniformen, wie immer, wenn in Ingolstadt gefeiert wird, eine aufdringliche Präsenz; übrigens hat es eine solche Truppe in der Schanz nie gegeben, wie mir der Historiker und Kulturpreisträger der Stadt Ingolstadt, Dr. Theodor Straub, glaubhaft versichert hat. Doch die Ingolstädter nehmen es mit der historischen Wahrheit nicht so genau, wie unter anderem auch die Mär vom „Schwedenschimmel“ beweist, dem Pferd, das im April 1632 dem schwedischen König Gustav II. Adolf unter dem Hintern weg geschossen worden sein soll, als er mit seinem Heer vor den Toren der Stadt lagerte (siehe dazu meinen LB vom 09.10.2013 im Donaukurier). Geradezu peinlich aber ist die Idee des städtischen Kulturreferenten vom „Bierbrunnen“ zu nennen! Besagter Brunnen, an der Fassade des spätmittelalterlichen Georgianums, ehedem Sitz eines Priesterseminars, installiert, sollte zu genau bestimmten Zeiten (und wohl auch nur für bestimmte Leute) anstatt Wasser, Freibier ausspucken - was er bei der Inbetriebnahme am Donnerstag auch tat. Und so fanden sich (so ein Zufall!) genau die richtigen Leute zu genau der richtigen Zeit an besagtem Brunnen ein; darunter und natürlich ganz vorne mit dabei, Vertreter des Ingolstädter Stadtrats, in deren Reihen parteiübergreifend die altbekannten „Freibierlätsch‘n“ nicht fehlen durften. Unter den neidvollen Blicken des freibierlosen Volkes sprudelte das kostenlose Bier aus dem Brunnen in die Krüge der Honoratioren; doch schon kurz darauf, war diese Quelle wieder versiegt und für die „Normalbürger“ gab’s nur noch Bier gegen Bares. Und so war auch bei dieser Freß- und Saufveranstaltung halt alles wieder einmal wie im richtigen Leben. Eine denkwürdige Begebenheit am Rande des Bierfestes: Von Besuchern aus Rumänien, die bereits Tage zuvor zu diesem Spektakel angereist waren, wurde ich gefragt, ob eine Kuh, die zufällig in einem Pferdestall geboren wurde, deshalb ein Pferd sei (???). Nach meiner Antwort klärten sie mich über den Sinn ihrer Frage auf: Die hiesige Tageszeitung hatte nämlich in zwei Artikeln über „rumänische Bettlerbanden“ und deren zum Teil recht dreistes und aggressives Auftreten in unserer Stadt geschrieben. Durch diese Berichterstattung fühlten sich die rumänischen Gäste diskriminiert. Sie vertraten die Auffassung, daß man diese Leute nicht einfach als „Rumänen“ hätte bezeichnen dürfen, sondern sie nach Ihrer Volksgruppenzugehörigkeit „Zigeuner“ hätte nennen müssen. Als ich versucht habe, ihnen klarzumachen, daß der Gebrauch von Bezeichnungen wie „Zigeuner“ oder „Neger“ in Deutschland heute nicht mehr zulässig sei - der entsprechende Paragraph im Strafgesetzbuch (§ 130 StGB) ist mit „Volksverhetzung“ überschrieben und umfaßt in seinen 6 Absätzen 346 Worte (zum Vergleich: Die 2 Absätze des Mord-Paragraphen (§ 211 StGB) enthalten 43 Worte) - und man damit leicht Gefahr laufe, in die „braune Ecke“ gestellt zu werden, bin ich bei den Rumänen auf völliges Unverständnis gestoßen; sinngemäß äußerten sie, daß es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland wohl nicht weit her sein könne, wenn die Verwendung von althergebrachten Bezeichnungen plötzlich der Ächtung unterliegen oder gar unter Strafe gestellt würden. Recht hatten sie, die Gäste aus Bukarest - leider! Es fehlt eigentlich nur noch, daß die 1885 in Wien uraufgeführte Operette „Zigeunerbaron“ von Johann Strauss oder Werke der Weltliteratur, wie „Onkel Toms Hütte, das Leben der Neger in Amerika“ von Harriet Beecher-Stowe (1852 bzw. 1853) bei uns auf den Index kommen; von da bis zur Bücherverbrennung der Nazis 1933 ist es dann nicht mehr weit. Und da wundern wir uns, wenn rechtsextreme Gruppierungen wie die AfD immer mehr an Boden gewinnen! „Schwoam mas obe!“ Prost! Und lassen Sie sich das "Zigeunerschnitzel" samt "Zigeunersauce" trotzdem schmecken - und zum Nachtisch einen "Negerkuß" alias "Mohrenkopf"! Apropos „Zigeuner“: Diese Bezeichnung ist per se kein Schmähwort; sondern wurde - vornehmlich im sog. Dritten Reich - erst dazu gemacht und wenn wir heute versuchen, dieses Wort aus unserem Sprachgebrauch zu tilgen, dann haben die Nazis posthum noch einen Sieg errungen. Die Mehrheit der Zigeuner sind nämlich stolz auf ihre zigane Herkunft! „Ich bin glücklich und stolz, eine echte Zigeunerin zu sein!“, sagt etwa die Sinteza Natascha Winter und der Geiger Titi Winterstein und der Gitarrist Hänsche Weiss hätten ihre Werke nicht unter dem Label „Musik deutscher Zigeuner“ veröffentlicht, wenn sie nicht ebenso gedacht hätten. Auch ein Colo Reinhardt hätte seine Lebenserinnerungen wohl nicht mit „Überwintern – Jugenderinnerungen eines schwäbischen Zigeuners“ überschrieben, wenn er im Wort „Zigeuner“ eine Beleidigung gesehen hätte. „Präsident der Zigeuner lautet die Inschrift auf dem Grabstein des Josef Demeter im Rheinland; wollte dessen Familie damit etwa ihren Toten beleidigen? Ganz sicher ebenso wenig, wie die Angehörigen des Bernhard Chicco Reinhardt , auf dessen Grabstein in Koblenz die Bezeichnung „Zigeunerbaron“ zu lesen ist. Durch die Bezeichnung „Zigeuner“ fühlen sich nur diejenigen Zigeuner beleidigt und diskriminiert, die sich dadurch diskriminiert fühlen wollen ( um daraus Kapital schlagen zu können) und das sind gewisse Zigeuner-Funktionäre! Nicht viel anders verhält es sich mit den Juden, deren Berufsfunktionäre es allerdings bislang noch nicht nötig hatten, sich durch die Bezeichnung „Jude“ diskriminiert zu fühlen, um die deutschen Geldquellen zum Sprudeln zu bringen. Im übrigen gibt es – jedenfalls ist dies meine persönliche Auffassung – „die“ Juden ebenso wenig, wie „die“ Zigeuner“ oder „die“ Deutschen. Ich selbst bin bereits am Überlegen, wie ich als ostpreußisch-bayerischer und evangelisch-lutherisch bzw. römisch-katholischer „Mischling“ (ich besitze nämlich beide „Truppenausweise“, respektive Taufbescheinigungen) es anstellen muß, um glaubhaft machen zu können, daß ich mich als Angehöriger einer Minderheit diskriminiert fühle und Vater Staat mir deshalb ein finanzielles Trostpflaster schuldet.
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