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Verehrte, liebe Empfänger meiner geistlichen Impulse,

Wegen einer besonderen Zeit und einer langen Pause,  möchte Ihnen ganz schlicht sagen, was mir in diesen Corona-Wochen durch den Kopf geht?

Die Corona-Krise sollte für uns - in den relativ reichen Ländern - ein Denkanstoß sein mit der Frage: Was läuft in unserer bisherigen Kultur und Lebenswelt, in unserem Denken und Handeln richtig? Was läuft vielleicht falsch?

Seit Jahren sagen wir uns: „Hauptsache gesund, die Wirtschaft läuft, wir haben Sicherheit!“ Gesundheit, Arbeit, Sicherheit sind gewiss wichtigste Elemente im menschlichen Leben. Aber sind sie die Hauptsachen? Gibt es nicht auch die Frage nach dem Sinn des Lebens? Jahrhunderte lang wussten wir, dass wir nicht allmächtig sind. Haben wir das vergessen? Durch Jahrhunderte sagte man: „Hauptsache ist der Segen Gottes.“ Dann meinte die moderne Kultur, es gehe ganz gut auch ohne Gott. Religion wurde zur Privatsache. Wir in (West-)Europa und großen Teilen Nordamerikas versuchen eine Welt zu organisieren, in der die Frage nach Gott öffentlich, gesellschaftlich keine Rolle spielen darf. Gott durfte gesellschaftlich nicht vorkommen, oder der Glaube an ihn, politisch missbraucht.

Und plötzlich bemerken wir, dass wir nicht alles im Griff haben, dass wir nicht allmächtig sind. Manche machen uns vor, wir könnten den Tod abschaffen. Wir wollen totale Autonomie. Verdrängen wir die Frage, dass wir mehr oder weniger bald einmal sterben müssen?

Wäre es nicht an der Zeit, uns zu fragen: Wozu sind wir auf Erden? Welchen Sinn hat mein Leben? Hat mein Leben überhaupt einen Sinn? Ist mit dem Tod alles aus? Nicht mehr Spaß suchen, sondern Sinn suchen!

Und: Wenn ich das Vater-unser bete, denke ich bei der Bitte „Vergib uns unsere Sünden“ an Afrika. Vor unserer Haustüre ist seit Jahrzehnten „Corona“, Todesgefahr, Elend. Schuld daran sind natürlich vor allem die afrikanischen Regierungen. Beunruhigen uns Fußballniederlagen mehr als das Sterben von Millionen afrikanischer Nachbarn? „Vergib uns unser Wegschauen.“ Im Fernsehen hören wir fast nur über die deutsche Corona-Entwicklung, aber wie es in Afrika, Asien und Lateinamerika aussieht, interessiert offenbar die `gebildeten` Europäer nicht.

Und: Die Politiker versuchen vergeblich, Europa zu aufzubauen. Die Persönlichkeit, die für die kulturelle Entwicklung Europas den größten Beitrag geleistet hat, spielt aber in diesem Europa keine Rolle: Jesus Christus und sein Evangelium. Ist das intelligent? Vergessen wir unseren Besten? Kennen wir unseren Besten überhaupt? Natürlich sind die Kirchen teilweise selbst daran schuld. Aber gibt es nicht auch sehr gebildete Christen, die aufschreien könnten?

Die entscheidende Ansage sollte nicht lauten: Zurück zur `Normalität`, sondern `Denkt nach und seht, wo ihr umkehren müsst`.

Danke für die Aufmerksamkeit. Oremus!

P. Eberhard Gemmingen SJ

 

 

Herzliche Grüße

P. Eberhard Gemmingen SJ

Im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit

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Pater Eberhard v. Gemmingen SJ
Autor: Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

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Kommentare  

# ImpulseRoland Klose 2020-05-12 07:17
Wo sind die Impulse der katholischen Kirche in Zeiten von Corona? Die Kirche ist in der Krise abgetaucht. Die Kirchen sind gespenstisch leer. Die Priester feiern stattdessen Privatmessen. Ich habe den Eindruck, momentan zählen die Corona-Regeln mehr als die Zehn Gebote. Diese Kirche scheint Gott verlassen zu sein, impulslos, führerlos und nicht reformierbar. Werden die Gläubigen in Scharen nach der Corona-Pandemie in diese Kirche zurükkehren oder andere Wege gehen?
# ImpulsAlois Sepp 2020-05-12 12:16
Es ist leider unbestritten, dass ausgerechnet von den hochrangigeren Vertretern der Kirche zu kleine, bzw. kaum sichtbare Impulse ausgehen. Zumindest hat man -leider- nach wie vor den dunklen Eindruck, dass sich die katholische Kirche in vielen Dingen einigelt und an zu vielen alten Zöpfen festhält. Verbal wird von so mancher Kanzel anders heruntergesprochen, als man dann in der Realität erlebt.

Die Kirche hat Priester, denen man problemlos folgen würde. Doch sind deren Möglichkeiten zu kurz um Veränderungen herbeizuführen. Hat doch der Papst selbst, obwohl er die größte Macht in der kath. Kirche hätte, Schwierigkeiten, in dem verknöcherten Gebilde "Kirche" weitreichende Änderungen durchzusetzen.

Wen wundert es dann, wenn der Glaube an sich in der weltlichen, materiellen Welt, eine immer kleinere Rolle spielt? Wenn lieber diverse Entgleisungen der Kirchenvertreter ins hellere Licht gerückt werden! Wen wundern dann die vermehrten Kirchenaustritte?

In unserer materiellen Welt zählen nur noch Erfolge, Gewinne und Streben nach immer Mehr.

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