Bundesumweltministerin Schulze zur Lage des Waldes - QR Code Friendly


Nun hat sich auch einmal die Bundesumweltministerin Schulze in eines der großen Waldschadensgebiete in Deutschland bewegt, oder besser getraut? Zumindest hat man den Termin so geheim gehalten, dass sich kein größerer, öffentlicher Protest formieren konnte, um Frau Schulze wachzurütteln und mit der Nase in die vom Borkenkäfer zerstörten Wälder zu stoßen…

Der deutsche Wald leidet, er stirbt, nach mehreren Jahren der Trockenheit nachhaltig geschwächt, und zwar auf großer Fläche und über alle Baumarten hinweg:

"Natürlich" ist es zuerst der Flachwurzler, die Fichte, die dank ausbleibender, ausreichender Niederschläge geschwächt die Nadeln hängen läßt und so, dank fehlendem Harzdruck ein leichtes Opfer für Borkenkäfer und Co. werden.

Doch schon lange sind es nicht nur unsere Fichtenwälder, längst sterben die vermeintlich "klimaplastischen" Buchenwälder, die Baumarten in den strukturreichen Mischwälder werden eine nach der anderen durch den einen oder anderen Schädling herausselektiert, oder vertrocknen, verbrennen einfach so, dank ausbleibender, ausreichender Niederschläge. Herzwurzler wie Buche, Birke, Ahorn, selbst die trockenresistenten Linden verlieren den Überlebenskampf. Regional rafft es inzwischen auch ganze Eichenbestände dahin, die trotz ihrem naturgegebenen Pfahlwurzelsystem augenscheinlich ebenso große Schwierigkeiten haben, mit den veränderten, klimatischen Bedingungen klarzukommen.

Was sind die traurigen Realitäten?

Der dt. Wald leidet und stirbt auf großer Fläche. Das macht erst einmal betroffen. Wenn dann jedoch der Fokus auf zuerst absterbende Nadelwälder gelegt wird, kippt diese emotionale Betroffenheit in z. T. blanke Gehässigkeit und dümmliche Herabsetzung dieser dramatischen Entwicklung: Nun sind es die Waldbesitzenden und deren forstliches Fachpersonal "selber schuld", schließlich haben diese die vermeintlich "bösen" Monokulturen selbst zu verantworten und würden nun en Denkzettel für Jahrzehnte lange Misswirtschaft bekommen…

Frau Schulze, erklärten Sie der Öffentlichkeit, dass nur bewirtschaftete Wälder, mit regelmäßiger, in Deutschland üblicher, nachhaltiger, forstwirtschaftlicher Nutzung mehr und dauerhaft CO² binden (in Form des entnommenen und verbauten Holzes). Erklären Sie den Menschen, dass es die immergrünen Nadelbaumarten sind, die ganzjährig Photosynthese betreiben, und damit unsere Luft zum Atmen reinigen.

Solange es ein Waldbrand von 1.500 ha Fläche in Frankreich in die Tagesschau schafft, aber alleine in 2019 in NRW abgestorbene über 28.000 ha Wald nicht einmal erwähnt werden, haben Sie als Umweltministerin Ihre Hausaufgaben aus meiner Sicht nicht getan.

Solange es 800 Mio für den sterbenden dt. Wald geben soll, ein Fußballverein mit 40 Mio "unterstützt wird" und die Lufthansa mit schicken 9 Mrd "gerettet wird", stimmen die Relationen nicht. Auch hier haben Sie, wie Ihre Landesministerien versagt, die Bedeutung unserer Wälder in den öffentlichen und politischen Fokus zu nehmen.

Erklären Sie den Waldbesitzenden, wie sie in der aktuellen Lage, mit nahezu unverkaufbaren Holzmengen und minimalen Erlösen überhaupt an den aktiven Waldumbau denken sollen. Machen Sie den Forstverwaltungen und Fachministerien klar, dass nur mit einfacher, schneller und vor Allem unbürokratischer Hilfe und finanzieller Unterstützung die Eigentümer diese Mammutaufgabe der Schadensbewältigung angehen und überstehen können. Der aktuelle Mittelabfluß der "Förderung Extremwetterschäden" macht eines deutlich: Dieses Antragsverfahren kann der mit dem Rücken zur Wand stehende Waldbesitzer, der tagtäglich den (Wert-) Verlust seines "Generationenvertrags Wald" erlebt und durchleiden muss, schlichtweg nicht leisten! Aktiver Waldumbau in Anbetracht von Böden, die auf über 2 m Tiefe ausgetrocknet sind? Lächerlich, utopisch und fern jeglicher Realität. Warum suchen Sie nach Ausflüchten, wenn es darum geht, dem Waldbesitz über eine CO²-Prämie zumindest eine Anerkennung für die multifunktionalen Leistungen des Waldes zuzubilligen? Gerade in den schwierigen Zeiten von "Corona" haben wir erleben müssen, wie intensiv die Bevölkerung von ihrem "Recht" Gebrauch macht, zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten, tatsächlich auch noch den letzten, stilllen Winkel der heimischen Wälder für sich zu entdecken. Anerkennung dafür von der Öffentlichkeit, oder gar von der Politik? Fehlanzeige! Wildnisgebiete, nutzungsfreie Wälder, usw., gut und schön für den Artenschutz, aber: Eben diese Wälder binden dauerhaft eben nicht mehr CO², da sie dieses im Laufe der Stoffprozesse auch wieder freisetzen und durch unterlassene Nutzung eben kein CO² Entzug durch Bauholz erfolgt. Hören Sie auf, in dieses, zugegebenermaßen politisch einfache, da emotional bespielte Horn der Naturschutzverbände zu stoßen und brechen Sie eine Lanze für die dt. Forstwirtschaft, die nachhaltige Waldbewirtschaftung, durch gutes Fachpersonal auf vorrangig in privatem Besitz befindlichen Waldflächen!

Die Waldeigentümer und Forstleute sind verzweifelt, am Boden zerstört, und stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer Wälder. Die wirtschaftliche Zukunft vieler Forstbetriebe ist ungewiß, die Angst vor dem, was als nächstes kommt ist groß.

Die Kulturlandschaft in Deutschland, unsere Wälder, Wiesen und Felder kommen mit den klimatischen Veränderungen nicht klar. Sie leiden und sterben. Was droht dann uns, wenn unsere "grünen Lungen" nicht mehr da sind und die durch uns verunreinigte Luft eben nicht mehr reinigen?

 

 

Mit freundlichen Grüssen

With kind regards

 

Michael Sommer

Forstkontor Sommer GmbH


Internet: www.forstkontor-sommer.de

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Autor: Michael Sommer

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