Kloster Lehnin | Corona & die ländliche Wirtschaft - Zusammenhalt ist gefragt! - QR Code Friendly
Bevölkerungsschutzgesetz, Kulturausschuss, Infektionsschutzgesetz, Kritisierung, Befürwortung…
Alles Worte die man in letzter Zeit immer öfter hört, nicht so recht versteht, aber eben hinnimmt. Die Welt ist im stetigen Wandel heißt es und ich glaube ich spreche für viele, wenn ich sage, ich merke das zum ersten Mal mehr denn je zuvor. Durch Corona hat sich alles geändert. Der Alltag mit Freunden, die eigentlich regelmäßigen Hobbies, das Berufs- und sogar Familienleben. Die Einen setzen sich mit dem ganzen intensiv auseinander, verfolgen jede Berichterstattung und sind stetig auf dem Laufenden. Wieder andere schnappen hier und da mal etwas auf und machen das dann eben so, oder auch nicht. Jeder geht anders damit um und jeder macht es für sich richtig.
Ich habe im September beruflich in die Gastronomie gewechselt und trotz der, vor allem für die Gastronomie und Hotellerie, schwierigen Zeiten bereue ich es nicht. Nun habe ich mir einmal Gedanken gemacht. Natürlich sind auch wir betroffen und das mit einem harten Schlag. In solchen Zeiten fängt man eben an nachzudenken. Macht sich Sorgen „Was wird in Zukunft? Ist mein Arbeitsplatz gesichert? Kann das Hotel und Restaurant fortbestehen?“ In meinen Überlegungen ließ ich einmal Revue passieren, was ich so miterlebte. Ich komme aus Kloster Lehnin. Ich bin hier geboren (mehr oder weniger, das Krankenhaus war natürlich nicht hier), aufgewachsen (und hatte wohl die beste Kindheit, welche man haben kann), habe meine Jugend hier verbracht (Strandpartys im Strandbad, heimliche Autofahrstunden auf Feldwegen, Silvester auf dem Busplatz usw.) und bin erwachsen geworden.
Wir sind eine ländliche Gemeinde mit vielen, wunderschönen Dörfern. Aber was zeichnet uns insbesondere aus? Was macht uns besonders gegenüber den Großstädten wie Potsdam und Berlin? Es ist der Zusammenhalt! Zumindest sollte dieser es sein. Wir sind eine Gemeinde! Wir kennen uns! Hier achten die Nachbarn noch aufeinander und wenn Deine Tochter gestern eine Stunde zu spät nach Hause kam, dann hat die Omi nebenan das definitiv mitbekommen. Fahrerflucht oder der Gleichen… sowas gibt es hier nicht. Wenn etwas passiert geht man klingeln, entschuldigt sich, trinkt ein Bierchen und klärt das Problem. Natürlich gucken wir, wenn der Nachbar eine neue Terrassengarnitur hat. Natürlich meckern wir wenn der Rasen nicht so in Nachbarsvorgarten gemäht ist, wie wir es gerne hätten. Und natürlich sind wir eigentlich neidisch, wenn Nachbars Vorgarten viel schöner ist als der unsere. Aber wir grüßen. Wir kennen uns. Und wir passen auf.
Ich will mich hierbei in keinster Weise herausrausnehmen. Wenn ich Essen gehe fahre ich auch mal weiter weg. Ich möchte ja woanders hin. Irgendwo, wo ich es noch nicht kenne, um mich dann zu beschweren, dass es nicht so ist wie gewohnt. Ich möchte Eis und Kuchen in einem Kaffee am Wasser. Ein Gewässer, dessen Namen ich nicht kenne und das nicht einmal annähernd so schön ist wie unsere Seen. Ein Kuchen, der nicht so lecker ist wie der im Klostercafé und Eis, das nicht mal annähernd an das von Frau Schmidtke rankommt. Ich fahre stundenlang um in irgendwelche Bars zu gehen um mich dann darüber aufzuregen, dass kaum Alkohol im Cocktail und die Stadt einfach schrecklich laut und fremd ist. Sind wir doch mal ehrlich; wir „Außerhalb-Lehnin-Dörfler“ meckern dass wir bei uns kein Netto, Lidl oder gar Kaufland haben. Aber wir hatten mal einen Tante-Emma Laden in Göhlsdorf. Wir haben Frau Paulick, welche auch alles Wichtige hat. Es gab einen Nahkauf in Damsdorf. Wie oft waren wir dort? Wie oft sind wir, obwohl wir nur eine Milch brauchen, dann doch nach Werder gefahren, weil wir ja lieber noch etliche, unnötige Sachen bei Kaufland holen mussten, um uns danach wieder darüber aufzuregen? Frage Dich doch bitte auch einmal, wie oft Du schon woanders warst, vielleicht sogar weit gefahren bist, obwohl Du weißt, dass es hier am besten ist?
Wo sind die ganzen Kneipen hin? Die Tante-Emma Läden? Der Eiswagenmann? Die Bars & Discos? Ich habe für mich verstanden, dass es Zeit ist umzudenken. Ich meckere auch. Aber zu Unrecht! Wie oft meckere ich „dass es den Gasthof zur Mühle nicht mehr gibt“. Und wie oft war ich da? Lassen wir nicht zu, dass es so weiter geht. Das darf uns einfach nicht auch noch mit unseren letzten
Restaurants passieren! Klar World of Pizza & Lieferando sind bequem, aber was schmeckt Dir besser? Eine halbwarme, labbrige Pizza oder eine knusprige Ente/ Gans, Königsbergerklopse wie von Oma, Schweinshaxe oder ein leckeres Würzfleisch? Und wusstest du, dass Lieferando zudem 13% Provision einbehält? D.H. wenn man nur für 10 € bestellt, erhält der Gastronom lediglich 8,70€. Dafür kauft er Zutaten, zahlt Strom und Versicherung, Verpackungsmaterial, hat einen Koch und mind. einen Fahrer mit Auto, welcher das Essen ausfährt. 8,70€ - nur mal so. Man könnte auch direkt anrufen. Du zahlst das Gleiche, aber er bekommt es auch.
Ich hatte mal einen Hund, er heißt Hugo. Hugo war an sich total einfach und so unglaublich liebenswert. Hugo brauchte nicht viel. Hugo hatte ja uns. Hugo war einfach immer glücklich. Regen? Egal! Kälte? Egal! Mal wieder weggerutscht und umgefallen? Egal! Ganze Welt doof? Egal! Und wenn dann noch jemand da war, der ihn auch nur ganz kurz beachtete oder vielleicht auch nicht und lediglich da war: dann war er der glücklichste Hund der Welt! (Hugo ist natürlich noch immer da und glücklich, nur ein Scheidungshund). Die Moral von der Geschicht: Sei wie Hugo! Bestellt beim Markgraf, Seehof, der Klause am See. Geht zu Frau Schmidtke, wir wissen alle, dass Ihr Softeis das Beste der Welt ist! Warum zum Zoo nach ganz weit weg? Geht zu den Rainbowalpakas in Rietz und trinkt Euer Feierabend Bier (wie früher ganz selbstverständlich üblich) in Eurer Dorfkneipe. Tagelange Ausflüge zu Schlössern und Burgen. Kennst Du die Geschichte Deiner Heimat überhaupt? Tut Ihr das alles nicht, dann meckert bitte auch nicht nach weiteren Schließung. Denn irgendwann wird es all diese Leute mit Ihren Streichelzoos, Kaffees, Kneipen und unsere letzten paar Restaurants einfach nicht mehr geben. Sonst braucht ihr diese Leute. JETZT brauchen sie EUCH! Ich fände das schade.

Janine Gernert
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Autor: Janine Gernert

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