Ist dem Kultusministerium unsere Zukunft egal? - QR Code Friendly
Der Hessische Kultusminister weigert sich weiterhin, in den Schulklassen Luftfilter aufzustellen und diese zu finanzieren. Obwohl es mittlerweile nachgewiesen ist, dass diese Geräte durchaus hilfreich im Umgang mit der Pandemie sind, insbesondere wenn viele Menschen auf engem Raum sitzen. Wie in unseren Schulen. Stattdessen müssen Elternvereine oder einzelne Spender in Eigenorganisation tätig werden. Gelobt werden sie aus dem Haus des Ministers dafür nicht, eher kritisch beobachtet. Flächendeckend ist solch eine selbstorganisierte Hilfe nicht durchzuführen. Da setzt Herr Minister und seine Administration lieber auf regelmäßiges Lüften. Es ist nicht nachgewiesen, wie viele Coronaerkrankungen dadurch verhindert worden sind, es ist aber sichtbar, dass sich der erkältungsbedingte Krankenstand bei Lehrern und Schülern deutlich erhöht hat. Arbeitgeber haben strengste Konsequenzen zu erwarten, wenn sie nicht in der Lage sind, ihren Beschäftigten in den Arbeitsräumen angemessene klimatische Bedingungen zu bieten. Das gilt für Hitze und Kälte. Bei Schulen spielt das irgendwie keine Rolle. Das Ministerium nimmt billigend in Kauf, das an Schulen Richtlinien nicht eingehalten werden, die als Grundlagen des Arbeitsschutzes für Erwachsene gelten! Wenn sie schon offensichtlich für Schülerinnen und Schüler nicht gelten, was ist dann mit dem Lehrpersonal? 
Weshalb ist man im Hause Lortz so zurückhaltend mit Hybrid-Unterricht? Die Antwort ist relativ trivial. Weil man weiß, dass es nicht funktioniert. Weder technisch, noch personell. Weil man die letzten Monate verschlafen hat, weil man neue Ansätze und Ideen zunächst kritisch sieht und weil man eigentlich für nichts zuständig ist und die Verantwortung bis auf die SchulleiterInnen herabschiebt und diese damit einfach komplett überfordert. Die größte Tat des Ministers während der schon lange vergangenen Sommerferien waren nach seiner eigenen Aussage, dass jetzt alle LehrerInnen dienstliche Mailadressen haben. Gut gemacht, Herr Minister. Das ist für mich eine Anregung zum Fremdschämen. Solch eine Aussage als Digitalisierung zu verkaufen. Ja, aber wir bekommen ja nun in großer Zahl Laptops und Tablets. Prima! Wie lange dauert das? Wer administriert die Geräte? Wer kümmert sich um eventuelle technische Probleme? Wieviele Schulen haben einen Administrator? Genau! Ist in der Entwicklung. Wieder ein Thema, das wegen zusätzlicher Kosten auf die lange Bank geschoben wurde. Aktuell ist es ein Glücksspiel, ob eine Schule LehrerInnen hat, die diese Aufgabe, zumindest rudimentär, übernehmen. Investiert wurde in ein selbstentwickeltes Schulportal, dass sicher nach entsprechender Weiterentwicklung garnicht so schlecht ist, aber erst in ein paar Jahren. Heute müssen die Lehrkräfte ihre Onlinestunden anmelden und wenn sie Glück haben, dann bekommen sie für den Zeitraum, den sie für sich benötigen auch einen Zeitslot. Der aktuelle Schnellschuss ist noch zu wenig praxistauglich. Das ist doch in der aktuellen Lage völliger Quatsch. Wieso zwängt man alle Schulen schon jetzt auf dieses Portal? Wieso nutzt man nicht die vorhandenen Tools so lange, bis das Schulportal leistungsfähig genug ist und nimmt die Schulen Zug um Zug auf, wenn die Kapazitäten vorhanden sind? Die Antwort lautet Datenschutz!. 
Man kann es auch übertreiben! Was sollen diese Bedenken in der aktuellen Lage? Es werden den Menschen so viele Einschränkungen zugemutet, die durchaus ihre Berechtigung haben, ohne Frage! Was aber glaubt denn ein Kritiker mangelnden Datenschutzes bei den etablierten Tools, wie wichtig dieses Thema in der jetzigen Situation ist? Wir geben doch hier keine Staatsgeheimnisse preis, wenn wir vorhandene Tools nutzen, bei denen die Datenschutzerklärung des Anbieters nicht ganz ok ist. Damit wäre wenigstens ein bißchen Handlungsfähigkeit hergestellt. 
Wie gedenkt denn das Kultusministerium, die personelle Mehrbelastung der LehrerInnen zu gestalten? Es liegt doch auf der Hand, dass sich das ohne zusätzliches Personal  überhaupt nicht durchführen lässt. Wie sollen denn alle LehrerInnen gleichzeitig Präsenz- und Hybridunterricht durchführen. Hat sich das Ministerium eigentlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass Online-Lernen didaktisch anders aufgebaut werden muss, als in der Präsenz? Sind die Lehrerinnen darin geschult? Ist man sich bewusst, dass das fehlende Handeln wieder die Schülerinnen und Schüler und in letzter Konsequenz die Eltern ausbaden müssen? Ich denke, man ist sich darüber bewusst, aber es wird nicht gehandelt. Es wird nicht gehandelt, weil es Geld kostet. Und in die Bildung wird schon seit Jahrzehnten zu wenig investiert. Jetzt ist es besonders schmerzhaft zu Tage getreten und jetzt kommen die Versäumnisse von Jahrzehnten brutal ans Licht. 
Den Namen Lortz kann man übrigens durch jeden beliebigen Namen aktueller Kultusminister ersetzen. Mir geht es aber um Hessen und die Situation hier in diesem Bundeslang. Mein Vorschlag an den Minister: Hören Sie auf, die Dinge schön zu reden. Holen Sie sich doch know-how aus der Wirtschaft, holen Sie sich know-how Externer, holen Sie sich know-how aus Ländern, in denen digitale Bildung schon seit Jahren reibungslos funktioniert. Ein Blick nach z.B. Dänemark wäre sehr hilfreich. Vielleicht gibt es Möglichkeiten, Dinge die dort gut funktionieren, auf unser System zu adaptieren. Und vor allen Dingen. Bewegt euch endlich mit einer x-fach höheren Umdrehungsgeschwindigkeit und seht erst mal die Chancen und nicht die Risiken. Hier fehlt eine Hands-on Mentalität. Wir brauchen hier einen Minister und eine Administration, der in der Lage sind, in die Zukunft zu schauen und keinen Verwalter alter Zöpfe, der nur bremst. Deswegen - ändern Sie Ihr Handeln oder gehen Sie!
Ich bin kein Mitglied einer Partei, kein Lehrer oder der Vertreter einer Organisation. Mich irritiert es einfach, wie einfältig unsere Regierungsvertreter handeln (oder auch nicht). Und vor allem, wie verantwortungslos sie mit unserer Zukunft umgehen!
  
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Conradt
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Autor: Gerd Conradt

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