Corona - Wie die Bundeswehr den Drachen besiegt - QR Code Friendly

Die deutsche Politik scheue im Gegensatz zu anderen Ländern einen deutlich strikteren Lockdown. So würden die kraftlosen Maßnahmen für die Menschen in Deutschland zur endlosen Strapaze. So oder ähnlich sehen Kritiker die jüngsten Entscheidungen.

 

Ich möchte den Versuch machen dieser pessimistischen Sicht, zu der oft allzu viele Appelle an die Moral gehören, eine optimistische Prognose auf der Basis der Daten - vor allem aus Baden-Württemberg- gegenüber zu stellen.

 

Interpretationen der Daten sind schon deshalb erlaubt, weil offensichtlich immer noch ziemlich unklar ist, welche Lebensbereiche bzw. Maßnahmen wie stark zur Eindämmung des Virus beitragen. Es gebe wohl Studien dazu, sagt Prof. Brockmann im ARD Talk bei Maischberger, allerdings keine in Deutschland.

 

Ich habe mir die Zahlen etwas näher angeschaut und wage es folgende 8 Hypothesen aufzustellen:

 

  1. Bund und Länder hätten besser erst in der kommenden Woche über die erforderlichen Maßnahmen gesprochen.
    Die Zunahme der Positivenquote steht kurz vor einem Wendepunkt. Die R-Werte sinken, wie sich schon heute abzeichnet. Die Fallzahlen verlassen voraussichtlich kommende Woche das statistische Plateau. Zutreffendenfalls stehen damit schon echte Fakten für bessere Entscheidungen zur Verfügung.
  2. Die Wirkungen des Bundeswehreinsatzes werden in Kürze sichtbar und haben mehr Einfluss auf die weitere Entwicklung als die beschlossenen Verschärfungen im privaten Lebensbereich.
    Die Wirkungen des massiven Bundeswehreinsatzes war kein Thema in den bisherigen Diskussionen, obwohl schon sehr gut erkannt werden konnte, dass ein früher Bundeswehreinsatz gegenüber einem späteren die Inzidenzrate deutlich sinken ließ. Die R-Werte sind schon vor dem Shutdown-Light gesunken, wobei der Zeitpunkt mit dem des massiven ersten Bundeswehreinsatzes zusammenfällt. Auch die Abflachung der Fallzahlen korreliert mit der ersten Welle des Bundeswehreinsatzes.
  3. Anstelle von moralischen Überforderungen sollte die Reaktanztheorie aus der Sozialpsychologie bei der Planung von Einschränkungen berücksichtigt werden.
    Die Reaktanztheorie besagt, dass Menschen es als unangenehm empfinden, wenn ihre Freiheit zu handeln oder zu denken bedroht wird. Dies erzeugt einen aversiven Zustand der Reaktanz, der dadurch reduziert wird, dass man erst recht das verbotene Verhalten zeigt. Oder mit meinen Worten: Wer den Menschen nicht kennt, erreicht das Gegenteil des Erwünschten.
  4. Der Einsatz der Bundeswehr kam oft verspätet zustande und der Einsatz von ehrenamtlich tätigen Bürgern wurde von den Kommunen versäumt.
    Die Kommunen wären gut beraten, wenn sie neben der Bundeswehr mindestens jetzt als Teil einer Langfriststrategie eine „Reservearmee“ von Ehrenamtlichen aufbauen würden, so dass schon bei ersten Wiederanstiegen der Fallzahlen flexibel reagiert werden kann. Verantwortlich für den zum Teil sehr späten Einsatz der Bundeswehr sind die Kommunen, die aus Gründen, die in den Besonderheiten öffentlicher Verwaltungen liegen, auch die Chance der Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte - auch fremdsprachlichen - nicht ergriffen haben. Und natürlich auch die Bundes- und Landesregierungen, die die Kommunen nicht aufgefordert haben, dies zu tun.
  5. Scharfe Lockdowns, wie in manch anderen Ländern durchgezogen, sind keine erfolgreiche Langfriststrategie und verlangen nach Wiederholung
    Wer harte Maßnahmen ergreift ist gezwungen diese nach kurzer Zeit zu wiederholen mit der Konsequenz enormer Schäden für die Volkswirtschaft.
  6. Fehleinschätzungen bzw. nicht faktenbasierte Entscheidungen sind teuer und kosten Menschenleben.
    Die Entscheidungen über Maßnahmen basieren auf zu vielen Hypothesen, die wiederum durch hervorragende Instrumente, über die die empirische Sozialforschung verfügt und in Form von Politikberatung durch die Politikwissenschaft aufgeklärt werden können. Mit dem Einbringen von neuen Erkenntnissen dürften - auch - unsere Talkshows etwas belebt werden und die politische Kompetenz von uns allen verbessert werden.
  7. Es sind bei der Datenerhebung mindestens stichprobenartig die durch Nachverfolgung ausgelösten Positivfälle zu zählen.
    Die Nachverfolgung führt im Gegensatz zur Testung nach Symptomen teilweise zu einer vorbeugenden Testung und kann damit die Infektionskette unterbrechen.  Der Bundeswehreinsatz wird zurzeit noch aufgestockt. Damit verbunden ist eine gezielte Ermittlung von Kontaktpersonen und eine Ausweitung der positiv Getesteten. Es stellt sich damit die Frage, ob die Ausweitung der Fallzahlen in jüngster Zeit nicht eher die Dynamik des Kampfes gegen das Virus und weniger die Dynamik des Virus spiegelt und das Phänomen der Plateaubilddung wesentlich auf den Bundeswehreinsatz zurückzuführen ist.
  8. Meine Prognose: Die Inzidenzzahlen werden sich - mindestens in Baden-Württemberg - in 4 Wochen nahezu halbieren.
    Ich befürchte, dass die Bedeutung der Nachverfolgung und ihrer besonderen Wirkungen nicht erkannt wird.  Wenn in 4 Wochen die Fallzahlen deutlich geringer sind, werden viele der Hypothese des Mainstreams folgen und glauben, das habe vor allem mit den verschärften Maßnahmen zu tun, mit der Konsequenz, dass bei der nächsten Welle wieder nach alten Mustern verfahren wird. 

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