Baiern -- Bayern / Historischer Bogen von mehr als 1500 Jahren - QR Code Friendly
Ein weiter historischer Bogen von den Anfängen Baierns  bis zum heutigen Staatsgebiet Bayern:

Nach der Eroberung des keltischen Rätien im Jahr 15 v. Chr. (Tiberius und Drusus) herrschte im heutigen bayerischen Raum von den Alpen bis zur Donau das Römische Reich. Fünfhundert Jahre wurde hier Latein gesprochen, es erfolgte eine Verschmelzung der ansässigen keltischen Bevölkerung mit den Menschen des römischen Imperiums zu sog. Kelto-Romanen. Mit dem Untergang des (West-) Römischen Reiches (476/480 n. Chr.)  kamen dann  germanische Stämme (insbes. Markomannen aus dem heutigen Böhmen sowie die bedeutende Volksgruppe der Alamannen  d.h.: “alle ((wehrfähigen)) Männer” aus dem Westen, dem westgermanischen Kulturkreis, nach Bayern) und eine weitere Vermischung in größerem Umfang fand statt, wodurch naturgemäß vielfältige, befruchtende Impulse hinzu kamen.

Schon bald  nach dem Abzug der Römer setzt die Herausbildung eines eigenständigen Staatsgebildes ein, so dass bereits  im Jahr 550 ein erster bairischer Herzog, Garibald I., aus dem  -- wohl fränkischen – Geschlecht der Agilolfinder in schriftlichen Quellen genannt wird. Dieser erste Herzog macht bereits umfassende Politik und verheiratet seine Tochter Theodolinde  mit Authari, dem König der Langobarden. Hier liegt der Beginn der politischen Auseinandersetzungen mit dem Reich der Franken.

Bis zum Jahr 788 herrscht die Dynastie der Agilolfinger in Baiern (erst ab 20. Oktober 1825 neue Schreibweise “Bayern” für das  politische Staatsgebilde; Sprache und Stamm sind weiterhin  mit “Bairisch” zu  bezeichnen) in königsgleicher Stellung , d.h. Urkunden werden mit Rex (König)  gezeichnet. Unter Karl d. Gr. (Karolinger) wird  im Jahr 788 die Selbständigkeit Baierns mit dem  Sturz des letzten Agilolfingers, Herzog Tassilo III., beseitigt.

Ab 788 herrschten die Karolinger selbst in Baiern; deren Herrschaft endete  im Jahr 911 mit Ludwig IV., dem Kind. Bis zum Jahr 1180 folgten  dann verschiedene  -- insgesamt zehn – Herrscherhäuser  (Luitpoldinger, Ottonen, Luxemburger/Lützelburger, Salier, Ezzonen, Northeimer, Staufer, Aquitanier, Babenberger, Welfen).

Ab dem Jahr 1180 bis zum Jahr 1918 folgt die lange, 738 Jahre währende Regierungszeit  der Wittelsbacher (von Herzog Otto I. bis zu König Ludwig III.). Dieses Haus stellt  neben den Herzögen, Kurfürsten und Königen in Bayern auch Deutsche Könige sowie mehrere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Herrschaftsgebiet dehnte sich zeitweise weit über das heutige Bayern hinaus; sowohl nach Osten (z. B. Österreich; vgl. dazu Deutsche Sprache und Bairisch), als auch nach Süden (z. B. ganz Tirol, Friaul, Istrien: vgl.  dazu z. T. Deutsche Sprache und Bairisch), aber auch nach Norden (z. B. Holland, Brandenburg). Aus verschiedenen Gründen gingen diese territorialen Vergrößerungen verloren. Nach dem Wiener Kongress (1815/1816) erfolgte eine große räumliche Arrondierung auch des bayerischen Raumes.

Mit Gründung des Deutschen Reiches unter Bismarck (1870/71) verlor Bayern seine Selbständigkeit, es verblieben nur wenige sog. Reservatrechte (vgl. dazu König Ludwig II.) Aber Bismarck war ein Bewunderer Bayerns. Er äußerte, dass das bayerische Volk auf Grund seiner Geschichte die ausgeprägteste  Identität  aller deutschen Länder besitze – und so ist es wohl bis heute. Es  ist durchaus zu konstatieren, dass ein Merkmal der bayerischen Geschichte der stetige Kampf um staatliche, politische Eigenständigkeit war.

Nur in der Zeit des Nationalsozialismus (1933 – 1945) hatte  Bayern jegliche Eigenständigkeit verloren und war –  ebenso wie die übrigen deutschen Länder --“gleichgeschaltet “ worden.

Durch eine Volksabstimmung  im Frühjahr 1956 in der Pfalz ging  für Bayern dieses früher dazu gehörende Staatsgebiet verloren, womit die heutige räumliche Gestalt des Freistaates gegeben ist.

Ein weiter Bogen von 1500 Jahren eigenstaatlicher Geschichte, des ältesten seither noch bestehenden Staates in Europa, der sich sowohl als Kulturstaat als auch als moderner Industriestandort definiert.

Bei Vorträgen ist im Zusammenhang mit der Sprache immer interessant zur Überlegung anzuregen:

-- Südtiroler,  zu größten Teilen Österreicher, sind Baiern, aber keine Bayern;
-- Franken und Schwaben sind Bayern, aber keine Baiern.

Bayern ist politisches Gebilde, Baiern bedeutet Sprache und Stamm.

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