Wortbeitrag von Prof. Dr. Ulrich Lüke in der Hertener Allgemeinen vom 20. März, Seite 40: Fischgeruch - QR Code Friendly

Das Bild, das Prof. Dr. Lüke von Bischof Clemens August von Galen in seinem Wort zum Sonntag entwirft, ist leider einseitig geraten, denn es fehlen wichtige Aussagen des „Löwen von Münster“, die die Legende eines unerschrockenen Kämpfers gegen Nazis und Krieg in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Dazu einige Fakten und Zitate:

Am Tag seiner Bischofsweihe (28. 10. 1933), nachdem er als erster Bischof vor Reichsminister Hermann Göring den Treueeid auf die neue Regierung abgelegt hatte:

„Wir wollen Gott dem Herrn für seine liebevolle Führung dankbar sein, welche die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, dass sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten deutschen Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen.“

Predigt in der St. Urbanus-Kirche zu Buer, 22. März 1936: „… dem Führer unseres Volkes danke für alles, was er für das Recht, die Freiheit und die Ehre des deutschen Volkes getan hat. Ich bitte den allmächtigen Gott, dass er seine Arbeit mit seiner Gnade begleite, in ihrem Fortgang segne, und ihm Einsicht und Kraft gebe, alles zu überwinden und fernzuhalten, was der sittlichen Kraft unseres Volkes, welche ja die Vorbedingung und Gewähr der Ehrenhaftigkeit jedes Volkes sind, mindern oder zerstören könnte. …. In dieser Meinung erbitten wir Gottes Segen für unser deutsches Volk und seinen Führer.“

Münster, September 1939: „Der Krieg, der 1919 durch einen erzwungenen Gewaltfrieden äußerlich beendet wurde, ist aufs Neue ausgebrochen und hat unser Volk und Vaterland in seinen Bann gezogen. Wiederum sind unsere Männer und Jungmänner zum großen Teil zu den Waffen gerufen und stehen im blutigen Kampf oder in ernster Entschlossenheit an den Grenzen auf der Wacht, um das Vaterland zu schirmen und unter Einsatz des Lebens einen Frieden der Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk zu erkämpfen.“

Katholisches Kirchenblatt für das nördliche Münsterland, 9. März 1941: „Gott hat es zugelassen, dass das Vergeltungsschwert gegen England in unsere Hände gelegt wurde. Wir sind die Vollzieher seines gerechten göttlichen Willens.“

 Münster, Hirtenbrief, 15. März 1942: „Damit komme ich zum Trost, den wir gerade am heutigen Tag brauchen, aber auch zur besonderen Ehrung, die wir unseren gefallenen Kriegern schulden. […] Sie wollten in einem neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei ‘Gott will es’ den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Tagen der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte. Für Europa starben sie, um die drohende rote Flut abzuwehren […].“

Wenn Prof Lüke schreibt: „Man merkt, dieser Bischof hat Rückgrat“, so blendet er die obigen Äußerungen von Galens aus, die nicht erkennen lassen, dass dieser Bischof gegen die Politik der Nationalsozialisten war, im Gegenteil. Unbenommen davon bleibt sein Einsatz gegen die Euthanasie, Worte, die aber seine Unterstützung der Innen- und Kriegspolitik der Nazis nicht relativieren können. Der Löwe war wohl doch nur ein manchmal vorlautes Kätzchen.

Gerd Lange


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