Corona - Verstehen, Glauben, Hoffen, Mitwirken - QR Code Friendly

Wenigstens ein Wissenschaftler gesteht, dass er nicht versteht, warum die Politik die Weichen so falsch stellt. (Physiker Prof. Michael Meyer-Hermann, Systemimmunologe vom Braunschweiger Helmholtz Zentrum - erstellt Risikoeinschätzungen - in der Sendung Markus Lanz vom 29.04.21)

 

Da sind auf der anderen Seite die vielen Menschen, die glauben zu verstehen auf was es ankommt und harte Einschränkungen fordern.

Von einem intelligenten Volk sollte man eigentlich erwarten dürfen, dass es vor allem intelligente Lösungen fordert.

Und dazu Wissenschaftlern, wie Prof. Michael Meyer-Hermann, genauer zuhört und versucht zu verstehen, was er aussagt und

wie seine Gedanken in vernünftige Politik umgesetzt werden könnten.

 

Doch Fehlanzeige, es fordert kurzfristig möglichst harte Einschränkungen und denkt keinen Schritt weiter als die Politiker, die regelmäßig hinter der Entwicklung herlaufen.

 

Auch wenn es im Moment so aussieht, als liefen die Dinge in die richtige Richtung, so sollte man doch mal kurz innehalten und sich daran erinnern, dass wir schon mindestens 3 Mal mächtig daneben lagen.

 

Da war der Sommer 2020 mit niedrigen Inzidenzen und alle Welt glaubte, wir hätten alles super gemacht und könnten uns auf den Erfolgen ausruhen.

Da war der Herbst 2020 als wir ein Plateau in der Statistik erreicht haben, es nicht gehalten haben und erst sehr spät gehandelt wurde mit dem Ergebnis unzähliger Erkrankungen und Todesfälle.

Da war das Frühjahr 2021 in dem die Inzidenzen kontinuierlich zurückgingen und anschließend unsere Intensivstationen unter der neuen Last ächzten.

 

Nun erleben wir wieder einiges, was kaum zu verstehen ist.

Trotz prägender Bundespolitik laufen die Inzidenzen auseinander. Baden-Württemberg als Bundesland stürzt relativ gesehen zu anderen Bundesländern, vor allem gegenüber Bayern ab.

In Baden-Württemberg könnte man veranlasst sein, über die historisch schwere Geburt des Bundeslandes nach zu denken. Baden entwickelt gute und bessere Zahlen als Württemberg - und auch bessere als Bayern. Warum?

Hamburg behauptet seine besseren Zahlen seien auf die Ausgangssperre zurückzuführen. Vielleicht eine Fehlattribution.

Es scheint so zu sein, dass die Zahlen von Faktoren oder komplexen Bedingungen abhängen, die wir zu wenig kennen. Die wir aber kennen könnten, wenn wir nicht immer nur darauf warten würden, was von oben - von Bund und Länderregierungen - gefordert und geregelt wird.

 

Weil das so ist, sollten wir die Erwartungen in Impfungen, Tests und Ausgangsbeschränkungen nicht allzu hoch schrauben und uns klar machen, dass wir ein gespaltenes Volk sind, das zudem nicht auf einer Insel lebt.

 

Die jüngsten Erkenntnisse der Aerosologen und vor allem der Soziologen, die nun endlich die Bevölkerungsstruktur, die städtischen Strukturen, die Teilung in Arm und Reich, solide und prekäre Arbeitsverhältnisse,  informierte und weniger informierte Bürger,  soziale Brennpunkte,

sprachliche Verständigungsprobleme, Integration und Partizipation in den Fokus nehmen, sind noch lange nicht in der Gesellschaft angekommen.

 

Und leider vor allem dort nicht, wo diese Erkenntnisse bereits ein Teil der Lösung sein können - in den mittelgroßen und großen Städten.

 

Allzu lange haben sich Oberbürgermeister und Landräte mit paternalistischen und  anderen bevormundenden Argumenten gegen die Veröffentlichung von Inzidenzen in den einzelnen Kommunen der Landkreise und in Stadtteilen größerer Städten gesperrt.

 

Nun wird mit der Veröffentlichung der Inzidenzen eine Spaltung deutlich in "Reich und gesund und in Arm und Corona-krank".

 

Wieviel mehr an gezielten Maßnahmen und Abhilfen für den Schutz von ärmeren oder sonst wie benachteiligten Menschen wären auf kommunaler Basis möglich gewesen, wenn die Offenlegung früher zu einer bewussteren Wahrnehmung der Problemschwerpunkte geführt hätte.

 

So wichtig eine koordinierende Bundespolitik ist, mindestens genauso wichtig ist eine Politik vor Ort, die Probleme erkennt und konkret mit vielfältigen Lösungsansätzen anpackt.

Wir Bürger, wozu auch Journalisten zählen, sollten härtere Forderungen an die Verantwortlichen in Kommunen und Landkreisen richten und selbstverständlich bereit sein darüber hinaus Mitwirkungsmöglichkeiten einzufordern und anzubieten.

 

Das sollten wir wenigstens für die Zukunft gelernt haben. Corona ist noch lange nicht vorbei.

 

 

 


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