Leben und leben lassen - QR Code Friendly

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor etwa zwanzig Jahren nahm ich im Rahmen einer betrieblichen Fortbildung an einem mehrwöchigen Führungsseminar teil.

Mir waren derartige Veranstaltungen unter anderem aufgrund der regelmäßigen Rollenspiele offen gestanden ein wenig suspekt.

Der erste Tag galt dem Kennenlernen der Teilnehmer.

Jeder Teilnehmer musste nach vorne gehen, von sich erzählen und insbesondere sein Lebensmotto preisgeben.

Da ich in dem Kreis der Seminaristen ganz vorne saß, erwischte es mich als ersten. Ich konnte also nicht von anderen „spicken“.

Bezüglich meines Lebensmottos fiel mir daher nichts anderes ein als die Wahrheit: „Leben und leben lassen“.

Das zustimmende Nicken und Lächeln meiner Seminarkollegen bestätigte mich in meiner Anschauung, dass ich mit meiner Einstellung nicht völlig verkehrt lag.

An meiner Lebensphilosophie hat sich bis heute nichts geändert.

Es waren damals die 1990er-Jahre, ein Jahrzehnt der Unbeschwertheit, in der es weder Facebook, Twitter usw. gab.

Die Welt war mehr offline als online, man telefonierte vorwiegend über das Festnetz, traf seine Freunde noch persönlich und zockte nicht virtuell, sondern verbrachte Spieleabende mit Monopoly.

Und über allem thronte die „Love Parade“, ein Freudenfest der Friedlichkeit und der Toleranz.

Die „Love Parade“ wird heute gesellschaftlich schmerzlich vermisst.

Sie ist rund zwei Jahrzehnte später einer „Hate Parade“ gewichen, deren Hass-Protagonisten sich nicht offen auf Lastwagen zu erkennen geben, sondern sich feige hinter dem Datenschutz des Internets verstecken.

Vor einigen Tagen lernte ich eine weit über 80-jährige Dame kennen, deren Lebensgeschichte mich sehr beeindruckt hat.

Sie fragte mich am Ende unseres Gesprächs: „Herr Kastner, was ist das bloß für eine Welt, in der wir leben, Es stimmt doch überhaupt nichts mehr“.

Ich konnte ihr leider nicht widersprechen.

Der Ex-Nationalspieler Steffen Freund sowie Elke Heidenreich sind die jüngsten Opfer einer faschistoiden Clique, die auf narzisstische Weise ein Experiment wagt, indem sie versucht, einer relativen Bevölkerungsmehrheit ihren Willen und ihren Kodex aufzuzwingen.

Das eigentlich besorgniserregende ist, dass sie kurz vor ihrem Ziel stehen.

In diesen Tagen höre ich noch öfter als sonst in das Kult-Album aus meiner Jugendzeit, „Animals“ von Pink Floyd, rein.

Der Songschreiber der Band, Roger Waters, beschrieb mit seinen Texten eine gesellschaftliche Tendenz, die sich nunmehr manifestiert.

Wie konnte es soweit kommen?

Eine elementare Ursache ist aus meiner Sicht, dass dieses Land seit 16 Jahren auf hoher See führungslos vor sich hin gleitet und sich den schweren Stürmen dieser Zeit schutzlos ausgeliefert hat.

Ein gesellschaftspolitisches Ziel oder ein klarer Kurs war nie erkennbar.

Dieser wurde regelmäßig an den aktuellen „Mainstream“, der sich aus den inflationären Meinungsumfragen ergab, angepasst.

Wie das Beispiel Österreich bzw. Sebastian Kurz belegt, sollten Meinungsumfragen grundsätzlich eher mit Vorsicht betrachtet und es sollte vor allem hinterfragt werden, wer derartige Umfragen in Auftrag gibt.

Wenn die Exekutive ausfällt, ruhen die Hoffnungen in das höchste Staatsamt.

Joachim Gauck war ein Bundespräsident, der den Menschen Orientierung hätte geben können.

Letztendlich ist auch er an dem System Merkel gescheitert.

Der aktuelle Bundespräsident ist aus meiner Sicht (ich bitte um Entschuldigung für diese harte Wortwahl) ein Totalausfall.

In dieser schweren gesellschaftspolitischen Lage schlägt eigentlich die Stunde der Vierten Staatsgewalt.

Mein Appell an die Medien: Bitte lassen Sie nicht zu, dass Menschen in unserer Gesellschaft ausgegrenzt und diskriminiert werden, die sich im Rahmen der verfassungsrechtlichen Meinungsfreiheit öffentlich zu Wort melden.

Zeigen Sie klare Kante gegenüber denjenigen, die die Demokratie für ihre eigenen politischen Ziele missbrauchen.

Wir benötigen ein Land, in dem nicht nur alle gerne leben, sondern auch leben lassen.

Freundliche Grüße

Alfred Kastner


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