Familie Meier will boostern  Ein Lagebericht aus Dresden, Inzidenz: 735,7 / Sachsen, Inzidenz: 1201,1 - QR Code Friendly

Wir wollen alles richtig machen.

Wir haben Vertrauen in unseren Staat.

Der Herr Gesundheitsminister fragt: „Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?“

Wir wollen boostern! Selbstverständlich sind wir 2x geimpft und selbstverständlich wollen wir boostern. Wir werden dazu aufgefordert, wir denken solidarisch und zugleich wollen wir uns selbst schützen. Klar, machen wir da mit!

Tag 1, 1. Versuch, mobiles Impfzentrum in der Johannstadt: Ein freundlicher Helfer des DRK steht am Ende einer langen Schlange und fordert die Menschen auf zu gehen, zu wenig Impfstoff.

Tag 2, 2. Versuch, Hausarzt in der Dresdner Neustadt: Nächster freier Termin wäre im Februar 2022

Tag 3, 3. Versuch, mobiles Impfzentrum Waldschlösschen: Eine Schlange vor uns mit ca. 300 Personen vor der Öffnungszeit, ca. 700 Personen hinter uns, während wir 2,5 Stunden in der Kälte angestanden haben. Nach 2,5 Stunden kommt ein Mitarbeiter des DRK (mit Polizeischutz) und verkündet, dass der Impfstoff alle sei, es gab nur 250 Dosen.

Geben wir auf? Nein, natürlich nicht! Der Staat fordert uns auf endlich zu boostern, Mitverantwortung zu tragen, uns zu schützen!

Tag 4, 4. Versuch, Goldenes Tor, Rathaus: Eine Stunde vor Öffnungszeit stellen wir uns in die Schlange. Ca. 500 Menschen vor uns. Die Tür öffnet sich und es kann losgehen. Doch auch hier kommt zum Glück schon nach 1 Stunde warten in der Kälte ein Mitarbeiter und verkündet: Wir haben leider nur 150 Impfdosen, der Rest kann nach Hause gehen.

Tag 5, 5. Versuch, Klinik in Freital: Familie Meier sagt sich, heute muss es klappen! Wenn es in Dresden bisher erfolglos war, dann fahren wir nach Freital, da ist es bestimmt nicht so voll. Familie Meier fährt um 06:00 Uhr morgen los, steht 06:30 Uhr bei Minus Graden in der Schlange. Vor uns nur ca. 60 Menschen. Um 08:00 Uhr geht die Tür auf, ein Mitarbeiter verteilt abgezählte Zettel. Große Freude, wir haben auch einen Zettel bekommen auf dem steht, dass für uns ein Impfstoff da ist. Familie Meier kann endlich boostern! Leider können wir den Zettel kaum festhalten, da unsere Finger gefroren sind, doch das ist uns egal denn hinter uns eine Schlange von ca. 500 Personen, die keinen Zettel haben. Wir haben es geschafft! Inzwischen ist es hell geworden und die Ersten dürfen rein. Um 08:50 Uhr, also nach knappen 2,5 Stunden in der Kälte stehen ist auch Familie Meier beim Check-in. Ein Berg Zettel und Formulare muss abgegeben werden, Ausweiskontrolle und Registrierung. Wir werden aufgefordert vor einer Tür zu warten, dort finde ein „Aufklärungsgespräch“ statt. Genau eine Stunde warten wir vor dieser Tür. Aber es ist warm, die Finger- und Zehen tauen langsam auf, die Zähne klappern nicht mehr. Herr Meier darf zuerst zum „Aufklärungsarzt“. Danach zum Impfarzt und GESCHAFFT! Frau Meier geht als nächstes zum „Aufklärungsarzt“. Die Ärztin schaut sich den Impfpass an und sagt: „Wir dürfen Sie nicht boostern, heute ist der 27. November und sie können erst am 01. Dezember Ihre Boosterimpfung bekommen.“

Frau Meier versucht ruhig zu bleiben. Es fällt ihr sehr schwer. Wäre Frau Meier beim Tag 1, 1. Versuch erfolgreich gewesen, wäre sie jetzt geimpft, da hat die STIKO die Boosterimpung nach 3 Monaten empfohlen, doch jetzt, beim Tag 5, 5. Versuch, darf Frau Meier nicht geboostert werden, denn die STIKO hat die Empfehlung geändert auf 6 Monate nach der 2. Impfung. Das wäre erst in 4 Tagen… In 4 Tagen!!!

Frau Meier gibt auf und fragt den Herrn Gesundheitsminister: „Was muss eigentlich noch passieren, bis ihr es kapiert?“

Nicole Meier


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