PFAS - die Stoffgruppe, bei der uns die Politik im Regen stehen lässt.  - QR Code Friendly

„PFAS - es regnet ewige Chemikalien“ 

„Schädliche PFAS-Substanzen weltweit im Regenwasser nachweisbar“

Schlagzeilen, die wachrütteln, Mensch und Politik weltweit veranlassen sollten, sich mit der toxischen Chemikaliengruppe auseinanderzusetzen. Soweit die Theorie; doch die Realität sieht leider anders aus. 

Die globale Verbreitung der Ewigkeitschemikalien ist im Grunde nichts anderes als die logische Folge eines normalen Kreislaufs der Natur. Über Wasser, Luft und Wind verfrachtet, über Nebel und Aerosole weitergetragen und über Wolken per Regentropfen wieder zurückgebracht. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Chemikalien anthropogenen Ursprungs, die seit ca. 80 Jahren aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften hergestellt werden, mittlerweile in Bächen, Seen, Flüssen, Meeren, in Pflanzen und Tieren selbst in den entlegensten Regionen dieser Erde und im Blut der Menschen nachgewiesen werden. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind chemisch äußerst stabil, gelten als biologisch kaum abbaubar und bis zu einer Kettenlänge von C8 (Kohlenstoffatom) als sehr gut wasserlöslich. 

Im Alltag treffen wir überall auf dieses Gift; ob nun bei Teflonpfannen, Coffee-to-go-Bechern, Pizzakartons, Teppichböden, Farben, Lacken, Druckerschwärze, Kosmetikartikeln, Imprägniersprays, Regen- und Outdoorbekleidung, Zahnseide, … die Liste ließe sich noch ewig fortsetzen - und wie bei uns in Manching und vielen anderen Bundeswehrflugplätzen und Flughäfen in PFAS-haltigem Löschschaum. 

Jetzt kann man einwenden, dass Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) in der EU längst verboten ist. Das ist korrekt, seit 2006 mit wenigen Ausnahmen verboten und seit 2011 in Löschschäumen nur noch mit einem Anteil < als 0,001 % erlaubt. Durch Aufklärung und erhöhtes Umweltbewusstsein steigen erfreulicherweise selbst Raffinerien und Flughäfen immer mehr auf fluorfreie Alternativen um, die nachweislich ebenso gute Löschergebnisse erzielen. 

 

So jedoch nicht am Flugplatz Manching, wo unseres Wissens weiterhin AFFF-Schaum, wenn auch mit verringertem Fluor-Anteil, verwendet wird. Dort verwendete die Bundeswehr jahrzehntelang, hauptsächlich zu Übungszwecken und bei einer Handvoll Ernstfällen, PFAS-haltige Löschmittel, die ins Erdreich sickerten, das Grundwasser verunreinigten und bis heute über eine Schadstofffahne über die Liegenschaftsgrenze hinaus unser Grund-, Oberflächenwasser, Böden und Fische belasten. 

Am 8. Oktober 2010 wurde im Rahmen des Altlastenprogramms der Auftrag zur Erfassung von kontaminationsgefährdeten Flächen am Flugplatz Manching (Phase I) erteilt. Nach Durchlaufen der einzelnen vorgeschriebenen Phasen warten wir 2022 nach wie vor vergeblich auf die versprochene Brunnengalerie zur vorgesehenen Pump-and-Treat-Anlage. Auch Sicherungsmaßnahmen zumindest an den 3 Hotspots, um weitere Elution zu unterbinden, wurden bis dato nicht ergriffen. 

So verstreicht ein Jahr ums andere und wertvolle Zeit vergeht ungenutzt - am Flugplatz Manching ebenso, wie an vielen anderen Schadensorten in Bayern, in Deutschland, der EU, auf der ganzen Welt, wo Sanierung auf sich warten lässt. Anstatt frühzeitig zu handeln, scheinen viele zuständige Behörden Vogel-Strauß-Politik zu betreiben und den Kopf in den Sand zu stecken. Mögliche Gesundheitsrisiken werden heruntergespielt, rechtliche Grundlagen für Anordnungen nicht gesehen und auf Freiwilligkeit vonseiten des Verursachers gesetzt. Leider werden zudem Datenschutzbestimmungen vorgeschoben, um Ergebnisse nicht offenlegen zu müssen. Ganz nach dem Motto - was der Bürger nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Dabei ist es gerade diese Intransparenz und das gefühlte Aussitzen, was Unbehagen bereitet und Unverständnis schürt. 

Quellen: 

Richtlinie 2006/122/EG vom 12.12.2006

UBA Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) vom 07.08.2018

Geo „Schädliche PFAS-Substanzen weltweit im Regenwasser nachweisbar“ vom 03.08.2022

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Autor: Gudrun LemleWebsite: https://facebook.com/NOPFASManching

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