Schwabach: „Der Quantensprung“ (gedruckt) - QR Code Friendly

Nürnberger Zeitung vom 07.07.2020
zum Artikel „Der Quantensprung“ im Tagblatt von heute

Jetzt oder nie! Die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs außerhalb des gut versorgten VGN-Kerngebietes Nürnberg-Fürth-Stein, also des ländlichen Bereiches zu dem auch Schwabach gehört, wird sich wohl noch in 2020 entscheiden.
Wer es ernst meint mit echten Alternativen zum sogenannten Individualverkehr, der muss das 365-EURO-TICKET für den Gesamtraum auf dem Schirm haben. Oberbürgermeister Reiß will diesen Weg wohl gehen, das stimmt hoffnungsvoll. Nun kommt es darauf an, dass der Freistaat mitzieht. Hier wäre doch auch Ministerpräsident Söder gefragt, der sich einst für dieses Ticket stark gemacht hat. Oder täusche ich mich da? Am Ende muss dann aber ein Gesamtkonzept stehen, das nicht nur das Ticket zum Pauschalpreis beinhaltet. Zu einem attraktiven ÖPNV gehört vor allem eine vernünftige Taktung. Hier hatte Schwabach in den Jahren 2015 bis 2018 einen Rückschritt in die 1950er Jahre gemacht. Mit einem Stundentakt und nicht abgestimmten Pendlerverbindungen von und nach Nürnberg, also den Zuganbindungen. Es war interessant über diese Nachkriegszeit mit Senioren zu sprechen, die dazu noch etwas sagen konnten. Natürlich sollten aber auch Punkte, wie ein Mindeststandard an Komfort, zum Beispiel eine Klimaanlage für heiße Sommertage, die Busfahrten sowohl für die Fahrgäste als auch die Fahrer erträglicher machen, berücksichtigt werden. Im Zusammenhang mit den Fahrern hat das ja auch Sicherheitsaspekte, da völlig überhitzte Fahrzeuge wohl kaum die Konzentration im Straßenverkehr fördern. Da nützt auch ein Ventilator aus dem 1-Euro-Laden über dem Kopf des Fahrers nichts. Und auch das Thema Security gehört zum Nahverkehr. Es dient nicht der Sache, wenn Leute allein deshalb mit dem Auto fahren, weil sie in den sogenannten Öffentlichen schlichtweg Angst haben. Und so weiter und so fort. Fazit: Schau me mal. Das Jahr 2020 wird wohl nicht nur zum Meilenstein im Zusammenhang mit Corona. Es wird sich auch erweisen, ob ein grundsätzliches Umdenken der Politik in Richtung einer ökologischen Ausrichtung des Verkehrs stattfindet oder auf die jeweils nächsten Wahlen in den Kommunen und im Land vertagt wird, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden.

Claus Reis


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