Zaudern und jammern - zur Diskussion um das deutsche 9-Euro-Ticket (5x gedruckt) - QR Code Friendly





NZ, TAZ, Neue Württembergische Zeitung, Passauer Neue Presse vom 24.05.2022 laut genios.de, Nürnberger Nachrichten wie Bild. 



Es kam, wie es kommen musste. In Deutschland, von jeher ein Land der Jammerer und Berufsskeptiker, begann sofort nach dem Bekanntwerden des 9-Euro-Tickets das große Wehklagen. Anstatt sofort die Chance für den ÖPNV, die durch diese tolle Sache einfach besteht, zu nutzen und sich an die Arbeit zu machen, um am 1.6.2022 startklar zu sein, hieß es erst mal: Geht nicht. Die Software für den Internetvertrieb und die Fahrkartenautomaten von Anfang April bis zum geplanten Starttermin Anfang Juni zu aktivieren: Für ein vermeintliches Hochtechnologieland wie die Bundesrepublik wohl unmöglich. Die Gegner des ÖPNV und die Autolobby liefen zur Bestform auf. Die Öffis würden überlastet, das war dann auch einer der Kalauer der in Umlauf gebracht wurde. Als ob das mit dem Billigticket schon jemals ausprobiert wurde. Nein, es geht einfach nicht. Diesen Bären wollte man den Leuten aufbinden. Und nun geht es doch. Und es wird viel besser gehen als die Zauderer das erwarten. Das aber wird natürlich denen, die am goldenen Kalb mit CO2-Ausstoß festhalten wollen, nicht gefallen. Aber der Nahverkehr muss auch insgesamt attraktiver werden. Andernfalls wird die Verkehrswende auch diesmal wieder scheitern. Gelingen kann das aber nur wenn drei Voraussetzungen erfüllt werden. 1) Ein günstiger Preis. Hier ist das Land mit dem tollen 9-Euro-Ticket auf dem richtigen Weg. Wir brauchen das Ticket aber als dauerhaftes Angebot. 2) Eine gute Taktung und optimierte Anschlüsse. Ein Stunden- oder Bayerntakt hilft niemand wirklich. 3) Mehr Sicherheit. Was man wie ich, der den ÖPNV seit 1991 zum Pendeln nutzt, in den Bahnhöfen und Zügen schon erlebt hat, das kann auf die Dauer nicht toleriert werden. Wenn die Angst um Leib und Leben mitfährt, meiden die Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel. Verbessert kann das auch mit einer ausgedehnten Videoüberwachung in den Bussen und Bahnen sowie an und um die Haltestellen. Leider steht zu befürchten, dass diesbezüglich sofort wieder die selbsternannten Datenschützer aufschreien, die noch nie den Nahverkehr benutzt haben. Fazit: Mit einer Lösung für die Punkte 1) bis 3) steht oder fällt die Zukunft des Nahverkehrs. Gelingt hier kein Befreiungsschlag, kann sich die Politik jeden Steuer-(T)Euro für weitere Investitionen in eine zeitgemäße und moderne Mobilität sparen. Wir machen dann so weiter wie bisher. Bis zum bitteren Ende.               

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Claus Reis
Autor: Claus Reis

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