AZ vom 18.06.2016, Seite 24, Titel "Billigproduktion", Haupttitel "Achtlosigkit gegen die Sprache"
Das Nuscheln im Fernsehen, aber nicht nur da, hat Formen angenommen, die ein ganzes Volk glauben lassen, es würde langsam schwerhörig.
Wer ihn aushält, braucht sich zum Beweis nur Herbert Grönemeyer anhören. Ich halte ihn und das nicht aus.
Diese Achtlosigkeit gegenüber der gesprochenen Sprache und ihrer Außenwirkung kann ihre Ursache nur in der mangelhaften Ausbildung von Schauspielern, Regisseuren und Tontechnikern haben. Ergänzt wird das durch den vermehrten Einsatz von Laienschauspielern, die aus Kostengründen nicht nachsynchronisiert werden.
In meiner Ausbildung war die Sprache immer an erster Stelle. Bevor nicht auch das leiseste gesprochene Wort den hintersten Zipfel eines beliebigen Raumes gut verständlich erreicht hatte, wurden wir nicht auf das Publikum los gelassen.
Die Zeiten sind lange vorbei. Frau Weithase und Kelle Riedl, nur als kleine, aber herausragende Beispiele für seriöse Sprachbildung, sind nicht mehr.
Was bleibt, ist die Billigproduktion: verstehen muss das niemand mehr, zwangsweise bezahlen für diesen Sprach - Schrott dürfen wir alle aber schon.
Michael Maresch
